DLF Nachrichten 2.11.14 8:00

Sehr geehrte Damen und Herren vom Deutschlandfunk

Wieder einmal wird die radiohörende deutsche Öffentlichkeit aufgeschreckt durch eine Nachricht heute morgen,

Als Reaktion auf einen Raketenbeschuss riegelt Israel den Gaza-Streifen bis auf weiteres ab. Die Behörden in Gaza-Stadt erklärten, man sei von der israelischen Seite über die Schließung der Grenzübergänge informiert worden. Eine Ausreise sei nur noch in humanitären Notfällen möglich. In der Nacht zum Samstag war aus dem Palästinenser-Gebiet eine Rakete auf israelisches Territorium abgefeuert worden.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen uns, dass es sich bei dem gemeldeten Raketenbeschuss um einen relativ harmlosen Zwischenfall gehandelt haben muss, ist doch Israel bei Sach- oder gar Personenschäden nicht so zurückhaltend mit den Meldungen. Und wieder fragen wir uns, wer schießt denn hier so ungenau, mit welchem Ziel, wem nützen solche Aktionen? In Kairo wird, so hört man, über die Bedingungen eines dauerhaften Friedens zwischen Israel und dem Gaza-Streifen verhandelt. Israels Verhalten in den letzten Tagen, wie z.B. die Genehmigung des Baues einer großen Zahl neuer Wohnungen im besetzten Ost-Jerusalem oder die provozierende Absperrung des sog. Tempelberges für männliche Muslime unter 50 Jahre, lässt unseres Erachtens nur den Schluss zu: Israel will gar keinen Frieden, Israel will die blutige Konfrontation mit den Palästinensern in Gaza und auch in der Westbank fortsetzen, da es sich davon Vorteile verspricht: die Landnahme geht weiter, den Palästinensern wird weiter deutlich gemacht, dass sie keine Zukunft in ihrem Land haben. Und da macht sich dann so ein öffentlichkeitswirksamer Beschuss gut. Müssen Sie vom DLF wirklich die Propaganda der Israelis im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verstärken?
Wir haben jedenfalls versucht, zu recherchieren, was über den Zwischenfall in Israel veröffentlicht wurde. Da finden wir in Ha’aretz von gestern die folgende, im Vergleich zur DLF-Nachricht wesentlich differenziertere Meldung:

Ha’aretz 1.11.14
Israel’s Iron Dome anti-rocket system identified a rocket – or possibly a mortar shell – fired from the Gaza Strip into an open field in the Eshkol Regional Council near the border. No rocket alarm was sounded, and no damage was reported.
Military forces are looking for the projectile, which at this point could have been a rocket or a mortar shell. The IDF is also looking into who fired the projectile. This is the second time a projectile was fired from the Gaza Strip into Israel since the end of Operation Protective Edge, this summer.
„The quiet achieved in the south of the country is the product of continuous and strenuous work, and it could be interrupted at any time, IDF Chief of Staff Benny Gantz said at a military ceremony last Thursday.
The IDF would have to continue „keeping its eyes open in the different fronts, from Lebanon to the Golan Heights, to the West Bank, to Gaza,“ Gantz continued. „We remain alert and ready for action at any intensity needed.“

Die von Ihnen gemeldete Abriegelung des Gaza-Streifens ist wahrlich eine Meldung wert: die Menschen dort sind dringender als je auf Hilfe von außen angewiesen. Und ein Wiederaufbau der dortigen Infrastruktur verzögert sich so weiter.

Wir würden es sehr begrüßen, wenn im DLF bald eine ausführlichere Berichterstattung über die Lage der Menschen in Gaza erfolgen könnte, auch angesichts der neuerlichen Bedrängnisse durch die Israelis.

Mit freundlichen Grüßen, Ihre erstaunlicherweise immer noch treuen Hörer

Renate und Frank Dörfel
Breisgauer Str. 7
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