Am zurück liegenden Februarwochenende tagte in Berlin-Mitte ein kleiner aber feiner, international gut vernetzter Frauenverein. Vier Friedensnobelpreisträgerinnen zieren seine Reihen, darunter zwei Amerikanerinnen. Jane Addams, die Begründerin der US-amerikanischen Sozialarbeit aus Chicago und die Wirtschaftswissenschaftlerin Emily Green Balch aus Baltimore zählten immerhin zur Gründerinnen-Generation der „Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit“. Mitten im ersten Weltkrieg bemühten sich damals die erste Akademikerinnen-Generation mit weit über 1000 Gleichgesinnten um völkerversöhnende Frauen-Friedensarbeit. Ihre Erklärungen legten den Grundstein für die Gründung des Völkerbundes. Mit ihren diplomatischen Bemühungen trugen sie später auch zum Geist der Charta der Vereinten Nationen bei.

Im symbolträchtigen Gedenkjahr 2014 setzten die Frauen – heute wie damals aus verschiedenen geografischen und politischen Richtungen kommend – wieder einmal dringend benötigte friedenspolitische Impulse. Mit einem offenen Brief an die Verteidigungsministerin von der Leyen fordern sie ziviles entwicklungspolitisches Engagement und Konfliktprävention anstelle von militärischen Einlassungen in die Belange fremder Völker. Sie argumentieren als „berufserfahrene Mütter, Realistinnen und als Kennerinnen von Recht und Völkerrecht, dass der Einsatz militärischer Gewalt, sofern er nicht der Landesverteidigung dient, grundgesetzwidrig ist.“

Sie berufen sich mit Nachdruck auf die jüngste Erklärung der CELAC-Staaten, die im Januar bei einer Zusammenkunft ihrer Staatsoberhäupter in Havanna, ganz Lateinamerika und die Karibik zur Friedenszone erklärt haben, in der Massenvernichtungswaffen keinen Platz haben dürfen.

Sie beziehen sich gleichermaßen auf die Erklärung von Haifa vom Dezember vorigen Jahres in der der ganze Nahe und Mittlere Osten zu einem von Nuklearwaffen zu befreienden Gebiet erklärt wird. Massenvernichtungsmittel sollen hier ebenfalls keinen Platz haben dürfen.

Diese wichtigen Erklärungen sollen, so die IFFF- Frauen, als Vorbild genutzt werden, um auch Europa von Atomwaffen frei zu machen und insbesondere den Abzug der US-Atomwaffen aus Büchel in der Pfalz mit mehr Nachdruck zu fordern.

Das Engagement aller beteiligten Frauen zeichnet sich durch langjähriges sozialpolitisches und menschenrechtliches Engagement aus, oft quer zu parteipolitischen Bindungen. Keine der Frauen würde einfach gleichgültig beiseite stehen oder gar weggucken, wo Menschenrechte verletzt werden.

Einer Instrumentalisierung der Menschenrechte für kriegerische Zwecke aber treten die Frauen entschieden entgegen. Für demagogische Tricks sind sie nicht zu haben. Sie wissen aus Ihrer langjährigen Erfahrung, dass Frauenrecht Menschenrecht ist und dass es zu dessen Verteidigung zivilgesellschaftlicher Strukturen und vor allem auch der finanziellen Mittel bedarf. Immer mehr Ausgaben für militärische Zwecke halten sie dagegen für entschieden kontraproduktiv und der Emanzipation der Frau in Gesellschaft und Staat entgegen gerichtet. Mit dem Hinweis auf „Frieden als Menschenrecht“ Mairead Corrigan – Wikipedia setzen die Frauen auf ihrer diesjährigen Jahreshauptversammlung wichtige Akzente, die der Genderdebatte, die vorwärtsweisende Stoßrichtung zu verleihen vermag.

Ein Jubiläumsband über die Geschichte der deutschen Sektion der Internationalen Frauenorganisation (WILPF/ IFFF) ist in Vorbereitung und erscheint pünktlich zum Jubiläumsjahr 1915.

Irene Eckert

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