Bradly Manning vom Vorwurf der Unterstützung des Feindes frei gesprochen!

Ein Todesurteil ist nicht mehr möglich, der schwerwiegendste Vorwurf wurde fallengelassen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung. Auch, dass Amnesty International und „Reporter ohne Grenzen“ nicht umhin konnten, die Aufrechterhaltung der übrigen Anklagen als „Einschüchterung“ für investigativen Journalismus zu verurteilen, ist zu begrüßen. Ebenso wie zu begrüßen ist, dass die Vereinten Nationen sich gegen die Anwendung folterähnlicher Praktiken gegenüber dem Angeklagten gewandt haben. Dies sind Erfolge der Weltöffentlichkeit, die den Prozess gegen Manning aufmerksam verfolgt. Die positive Beurteilung gilt ungeachtet der zu verurteilenden Aufrechterhaltung der übrigen Anklagepunkte.
Die Vorgehensweise manifestiert Schwäche auf Seiten der imperialen Macht, die an dem verantwortungsbewussten Soldaten ein Exempel statuieren will. Nach den mutigen Schritten des fast vergessenen Mordechai Vanunu, nach Julian Assange und Edward Snowden sollen mit der rabiaten Behandlung Bradley Mannings weitere Menschen vom Überlaufen auf die Sache der Menschlichkeit, auf die Sache von Recht und Gesetzlichkeit, abgehalten werden. Wir alle sollen durch die Verurteilung eines Bradley Manning eingeschüchtert werden. Keiner mehr soll es wagen, sich an die Öffentlichkeit zu wenden in Dingen, die uns alle angehen. Die große, wenn auch noch anonyme, öffentliche Gemeinschaft aber, ist unser aller Schutzschild. Ein notwendiger Schutzschild spätesten seit der Sicherheitswahn jedes staatlich soziale Zusammenleben bedroht.

Denken wir über den Tag hinaus. Machen wir uns bewußt, dass die Julian Assange, Bradley Manning und Edward Snowdens die Zukunft repräsentieren und das Leben. Sie tun es ebenso wie Mordechai Vanunu, der israelische Atomphysiker und wie die US-amerikanischen „Veterans for Peace“.

Sie alle wenden sich kenntnisreich gegen das Verbrechen, gegen die Gewalt, gegen die sinnlosen imperialistischen Kriege. Diese Männer haben ethische Maßstäbe über den persönlichen Vorteil, über das Geld verdienen, über die Karriere gestellt.

Sehen wir in ihnen die positiven Mahner einer Wendezeit, Vorläufer für eine bessere Zeit. Eine Zeit. die kommen muss und auch kommen wird. Denken und handeln wir Seite an Seite mit diesen Männern über den Tag hinaus.

Orientieren wir uns dort in der Welt, wo positive Veränderungen sichtbar werden, wo die Menschen bereits mit einigem Erfolg begonnen haben, sich gegen die nur scheinbar unbesiegbare Macht des IMPERIUMS zu stellen und sich aufgemacht haben, ihre Schicksale selbst zu bestimmen und zu gestalten.

Es sind dies die fortschrittlichen Staaten Lateinamerikas, die den couragierten jungen Männern, den Helden unserer Zeit, Asyl anbieten. Es ist das zum Paria gestempelte Russland, dem man die Sowjetzeit nicht verziehen hat und dem man einen eigenen Weg auch heute nicht gönnt, das sich intelligent gegen den Druck der Macht stemmt und das Edward Snowden bis heute nicht ausliefert, trotz des enormen Drucks, der auf ihm lastet.

Vom – trotz seines Autonomiestatus zu China gehörigen – Hong Kong aus konnte Snowden nach Russland gelangen, das ihn zu schützen weiß, das ihm eine Konferenz mit internationalen Menschenrechtsvertretern ermöglichte.

Hier wirken die Kräfte zusammen, die schon ein Gegengewicht zum imperialen Machtgefüge darstellen. Dort wirken die BRICS-Staaten, die immerhin einen lockeren Verbund bilden.

Die Zukunft wird von solchen Kräften gestaltet werden. In ihnen müssen Menschen, die einen Impuls für die Überwindung von Terror, Mord und Gewalt setzen wollen, Verbündete sehen, so wie es kluger Weise die sogenannten „Whistleblowers“, die Alarmschläger, die Trommler unserer Tage tun.

Erinnern wir uns auch an die stumme Katrin aus Brechts Antikriegstück „Mutter Courage“. Auch diese vom Krieg geschändete Figur ist eine Alarmschlägerin. Sie schlägt die Trommel, um die Bewohner der Stadt vor dem feindlichen Angriff rechtzeitig zu warnen. Sie opfert ihr Leben, um die Kinder zu retten.
Bertolt Brecht, ein engagierter Kriegsgegner, ein Trommel für Frieden und Gerechtigkeit, ein bei uns und in den Vereinigten Staaten von Amerika Gejagter, ein Stigmatisierter, ein Kommunist, ein, Stalinpreissträger, pfui…
Brecht schuf vorbildliche Frauengestalten, Persönlichkeiten, die in sich widersprüchlich bis wegweisend waren, wie etwa die Pelagea Wlasowa aus der „Mutter“ nach Gorki.
Wehren wir uns gegen die Stigmatisierung der Alarmbläser, von denen einer auch auch der Dramatiker Brecht war, der außer Landes gejagte Stückeschreiber. Er bleibt der weltweit größte Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Tun wir ihm Ehre an und lesen wir die hoch aktuellen Texte eines Bert Brecht wieder und wieder. Tragen wir Sorge, dass seine Stücke gespielt werden, unverfälscht. Arbeiten wir daran, dass sie nicht wie kürzlich im Gorki-Theater der „Galilei“ als Farce oder Parodie auf Brecht gegeben werden, sondern originalgetreu, werkgetreu. Auch das ist ein Teil der mühseligen Arbeit der Ebenen. Auch das trägt zu positiven Veränderung bei. Diese beginnt in den Herzen und in den Köpfen der Menschen.

Irene Eckert