Blinder Aktionismus, das Hecheln von einem Demonstratiönchen zum nächsten ist konterproduktiv, weil die mangelnden Massenaufgebote entmutigend wirken.

Es gilt also statt dem Verschicken von Aufrufen in letzter Minute vor Torenschluss, sich einen langen Atem anzueignen. Es gilt, sich der immer bösartiger und immer blöder werdenden Demagogie, der Wahrheitsverdrehung also, entschieden entgegenzustellen. Aufrufe müssen gemeinsam erarbeitet und lange vor der geplanten Veranstaltung verbreitet werden. Vor allem müssen sie aufklärenden Charakter haben. Bloßes Abkommando zum Erscheinen ist Verhöhnung der demokratischen und durchaus kriegsunwilligen Öffentlichkeit.

Aufklärung über die wahre Natur jener Staaten und ihres Führungspersonals, die ins Visier der nordatlantischen Verteidiger kapitaler Kreise geraten sind, tut dringend Not. Der russische Präsident Putin führt derzeit die vom Imperium und seinen Kopflangern ausgemachte ‘Verbrecherliga’ an. Er ist an die Spitze ihrer Feindbild-Fiktion geraten, weil er sich den Geboten der Hegemonialmächte nicht fügt. Putin ist für diesmal der von ihnen ausgemachte ultimative Bösewicht, weil er russische Interessen verteidigt. Präsident Putin ist darüber hinaus der selbstbewusste, der klug und zurückhaltend auftretende Vertreter einer Nation, die im vergangenen Jahrhundert schmerzlichste Erfahrung mit dem Wesen des Krieges machen musste: 27 Millionen Tote, 70 000 zerstörte Dörfer, 2 000 verwüstete Städte, um nur die oberflächlichsten Spuren anzudeuten. Die Erfahrung eines verheerenden, großen Krieges musste in der Psyche der Kultur-Nation Russland tiefe und langanhaltende Spuren hinterlassen.

Auch wird die Erinnerung an die große, menschenfreundliche Zeit der Sowjetgesellschaft nicht völlig verloren sein. Die Bürger werden sich um so gieriger an die besseren Tage zur Stalin-Zeit erinnern, je schwieriger ihr heutiges Leben sich gestaltet. Demagogie allein kann nicht die schmerzliche Wirklichkeitserfahrung auf ewig kaschieren oder gar die nationale Erinnerung völlig auslöschen.

Präsident Bashir Al-Assad, das Staatsoberhaupt einer weiteren großen und widerständigen Nation, ist derzeit aus den Schlagzeilen, nicht aber aus dem Sinn seiner imperialen Gegner verschwunden. Die Anfang Juni bevorstehenden Wahlen werden den populären Staatsmann im Amt bestätigen. Das pfeifen die Spatzen von den Dächern. Das stolze Syrien ist jenen verbrecherischen Mächten, die im Nahen Osten die Alleinherrschaft ebenso anstreben, wie sie glauben, die ganze Welt müsse ihnen gefügig sein, ein starker Dorn im halbblinden Auge.

Ähnlich verhält es sich etwa mit Thailand oder großen Teilen Afrikas, wo es vielleicht weniger populäre und markante Führerpersönlichkeiten gibt. Zumindest punktuell vertreten aber die angefeindeten Politiker und Regime doch nationale Belange und widersetzen sich zumindest partiell dem totalen Ausverkauf, was ihnen die Feindschaft der Möchtegerne-Hegemonial-Macht einbringt.

Auch Libyens Revolutionsführer Ghaddafi war weitaus beliebter als sein Ruf bei uns es glauben machte und er hat für sein Land und für den ganzen Kontinent Zukunftsweisendes bewirkt.

Ganz zu schweigen etwa von dem Bolivianer Evo Morales und dem Ecuadorianer Rafael Correa und anderen, dem Hegemon im Norden nicht fügsamen, lateinamerikanischen Staatsoberhäuptern.

Wenn wir also im reichen Westen den Frieden aufrichtig und mit aller gebotenen Konsequenz verteidigen wollen, dann müssen wir uns entschieden parteiisch auf die Seite der diffamierten Nationen und vor allem auch auf die Seite ihres Führungspersonals stellen. Das gilt völlig ungeachtet der Tatsache, dass auch deren Politik nicht widerspruchsfrei sein kann unter den obwaltenden Umständen.

Vor allem aber ist endlich Einsicht darüber vonnöten, auf welche heimtückische Weise, die große Sowjetunion ruiniert wurde. Sie war die größte Herausforderung, die es für den Imperialismus jemals gegeben hat. Letzterem ist es schließlich durch Unterminierung und nicht durch die offene Schlacht gelungen, den Sozialismus niederzuringen, selbst zu überleben und bis heute dahin zu vegetieren auf Kosten der übrigen Welt. Der Imperialismus, das heißt der Kapitalismus in seinen Endstadium, treibt – trotz seiner Todesagonie immer noch weitgehend unerkannt – sein verbrecherisches Wirken weltweit und erklärt unterdessen andere zu Verbrechern. Dem muss ein Ende gemacht werden.

Wird fortgesetzt von Irene Eckert am 20.05. 2014