Das Wesen der Demokratie ist der offene, diskursive Geist. Ohne Dialogkultur kein Fortschritt. Wer den Frieden will, muss sich der Kritik stellen, zumal im öffentlichen Raum.

Sind das Plattitüden? Längst überholte Phrasen aus einer verblichenen Zeit?

Meinungsfreiheit, Pluralität, Debattenkultur, das Recht auf Kritik der Autoritäten, insbesondere der Obrigkeit derlei Grundsätze werden von westlichen Demokratien immer als ihr wesenseigene Prinzipien beschworen. Sie gelten als ihr wichtigstes Exportprodukt.
Führungspersonal ist zu wählen, so will es die demokratische Verfassung unseres Landes. Vereine müssen demokratische Satzungen haben, so ist es rechtsstaatlich vorgesehen.

Die “Friedensbewegung” ist da anders. In ihren Reihen, sofern man von solchen überhaupt noch sprechen kann, lässt man sich von solch antiquierten Vorstellungen nicht beirren. Im elektronischen Zeitalter, wo Kommunikation wesentlich über den e-mail Verkehr stattfindet oder über die sogenannten “sozialen Medien” wird gar qualifiziert vorgetragene Kritik von einem ihrer bekanntesten “Sprecher” einfach weggewischt mit den Worten “verschone mich künftig mit deinen Mails”. Mit dieser “coolen”, postmodern legeren Geste weist der Sprecher des Kassler “Friedensratschlags” präzise begründete Kritik souverän zurück. Er weiß es in patriarchaler Manier besser, er weiß sich so lästiges, weibliches Geschwätz vom Leibe zu halten.

So soll es sein. So war es schon immer. So wird es aber nicht bleiben Herr Dr. Strutynski.

So lange wir leben, lassen wir uns keinen Maulkorb verpassen. Wir suchen jede, sich uns bietende Gelegenheit zu begründetem, fundiertem Einspruch. Wir arbeiten mit Herz und Hirn an der Sache des Friedens mit.

Irene Eckert