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Analytische Betrachtungen von Irene Eckert am 15.11. 2015

„Unser Krieg gegen den Terror beginnt mit Al-Qaida, aber er endet nicht dort. Er wird nicht enden, bis jede terroristische Gruppe von globaler Reichweite gefunden, gestoppt und geschlagen ist. […] Die Amerikaner sollten nicht einen Kampf erwarten, sondern eine langwierige Kampagne, anders als alle, die wir je gesehen haben. Diese könnte dramatische Angriffe einschließen, die im Fernsehen übertragen werden, und versteckte Operationen, die auch bei Erfolg geheim bleiben….“

Dies sind die Worte des einstmaligen US Präsidenten George W. Bushs vom 20. Spetember 2001 nach dem Terrorangriff auf das World Trade Centre in New York. Ein Ereignis, von dem es hieß, dass es die Welt verändern werde, wie kein zweites zuvor. Das 1949 gegründete allierte Kriegsbündnis NATO rief erstmals nach Artikel 5 den “Verteidigungs-Fall” aus.  Das bedeutete Krieg und war der Auftakt zum “Global War on Terror“. Fortan sollte die „Achse des Bösen“ bestehend aus einer von den USA aufgestellten Liste von 46 Ländern sukzessive abgearbeitet werden. Obwohl keinerlei substantielle Ermittlungsergebnisse über die Täter vorlagen und obwohl die Strafverfolgung in solchem Falle eindeutig Aufgabe der Zivilbehörden und der Polizei wäre, entschied man sich unter US-Führung für einen Angriffskrieg auf eines der ärmsten Länder der Erde. Das „Terrornetzwerk Al Quaida“ wurde rasch aus der Taufe gehoben und bald kannte jedes Kind auf Erden den Bösewicht Osama Bin Laden. Da dieser angeblich in afghanischen Höhlen hauste, musste das gesamte afghanische Volk fortan bluten. Die „Taliban“, die dort auf Geheiß der Amerikaner das Regiment führten (1), waren angeblich nicht bereit, den Bösewicht auszuliefern, weswegen man ihnen den Krieg erklärte. Inzwischen wurde der böse Saudi-Sprößling längst unter Beifall unserer Kanzlerin mit Hilfe einer US-Drohne über Pakistan ausgeschaltet. Der Terror und sein Krieg gegen ihn breiten sich  allerdings auch ohne Bin Laden wie ein bösartig wachsendes Krebsgeschwür über die ganz Erde aus. Nach Afghanistan, dem man fortan den Mohnanbau als einziges Subsistenz-Mittel ließ, kam das nächste Opfer an die Reihe. Es war der Ölstaat Irak, bis 2003 ein säkulares Land, das seinen Bürgen trotz brutalster US-Sanktionen, noch immer ein halbwegs friedliches Auskommen bot.  Der einst wohlhabende  Staat wurde gründlich ruiniert, Mord und Terror hielten den Widerstand dagegen dürftig nieder. Seine  abgesetzte Führung soll unter dem säkularen Bath-Regime Saddam Husseins und  seinem christlichen Außenminister (!) ausgerechnet mit Al Quaida konspiriert haben. Heute ist das elende Land wirklich ein Hort des Terrors. Die  USA waren bis vor dem Eingreifen der Russen in Syrien  das auch in Bagdad noch immer  den alleinigen Ton angebende Besatzungsregime. Das nächste große Opfer  des  pseudo Anti-Terrorkrieges war der eigenwillige, ebenfalls  ölreiche nordafrikanische Staat Libyen, der viel für die Entwicklung des afrikanischen Kontinents und für seine eigenen Bürger getan hatte. Er wurde 2011 von tributpflichtigen US-Vasallen – ähnlich wie Afghanistan, ähnlich wie der Irak – in die Steinzeit zurückbombardiert. Ergebnis der menschenrechtlich begründeten Militärinervention: Terroraktivitäten schießen dort förmlich wie Pilze aus dem Boden. Das Land, das vielen scharzafrikanischen Flüchtlingen Arbeit und Brot gegeben hatte, liefert seither einen anschwellenden Strom von Flüchtlingen, die über das Mittelmeer verzweifelt versuchen Europa zu erreichen. Unzählige übrige Brotlose verdingen sich in ihrer Verzweiflung den von auswärts finanzierten warlords und tauchen als ISIS, Al Nusra oder andere Terrorfronten in Syrien und anderswo wieder auf, wo sie den Auftrag haben, ein ähnliches Zerstörungswerk wie zu Hause  zu verrichten. Das tun sie nicht nur für Geld, sondern auch, weil sie vorher mit Drogen vollgepumpt werden, die aus Afghanistan stammen. Im Sudan, in Mali, in Nigeria, wo  wertvolle Rohstoffe wie Öl und Uran zu holen sind, spielen sich ähnliche Szenarien mit Hilfe der heute als Vasallen dienlichen ehemaligen Kolonialmächte ab. Das gleiche gilt auch für die einstige Sowjetrepublik Ukraine mit ihrer strategisch wichtigen Lage als Durchgangsland.  Ihre qualifizierte Bevölkerung weckt Begehrlichkeiten und auf  ihre hochwertige Schwarzerde hatte es schon Adolf Hitler abgesehen . Der „islamistische“ Terror tobte auch in Tschetschenien, im Kosovo, in der von Muslimen bevölkerten Uiguren-Republik Chinas, nicht zu vergessen auf CUBA und natürlich auch gegen andere Staaten Lateinamerikas, wenngleich der Terror dort ohne das Label “islamistisch” auftritt. In Russland und China arbeitet man aber recht erfolgreich an einer Strategie zur Eindämmung des Terrors. Die Sanktionspolitik, eine andere Variante des Terror, die ebenfalls milionenfach tötet, greift nicht gegen das große aufstrebende China und ist auch nicht wirklich wirksam gegen Russland. In Europa schädigt sie ihre Urheber mehr als das intendierte Opfer. Dagegen regt sich zunehemnd merklicher Widerstand. Diesen Widerstand meint nun das noch den Ton vorgebende Imperium nicht dulden zu dürfen. Da es sich bei den USA eindeutig heute um ein Imperium im Niedergang handelt, dessen Handlungsmöglichkeiten zunehmend von einer kooperativen Gegenallianz eingedämmt werden, schlägt dieses in einer Art Todeskampf blind um sich. Mit Hilfe eines sich immer brutaler und barbarischer gerierenden, scheinbar  ziellosen Terrors, der sich immer öfter gegen völlig Unschuldige, gegen Zivilsten, Flugzeuginsassen, Konzerthaus- und Cafebesucher richtet, will das Imperium demonstrieren, dass ihm gegenüber kein Entkommen ist. Ein  für alle Beteiligten tragischer Irrtum. Tragisch und tödlich für all jene, die zufällig in sein Visier geraten. Tragisch auch für seine Urheber, deren Niedergang so nur noch rascher voran schreitet, tragisch für seine ausführenden Lakaien, die ebenso wie ihre Opfer mit dem Leben bezahlen.

Die jüngsten Opfer in Paris, sind also   ebenso wenig  wie die über dem Sinai heruntergebombten und zerschellten russischen Urlauber, ebenso wenig  wie die seit Jahren unter solchen Attacken leidenden und sterbenden Menschen in Syrien und anderswo keineswegs Opfer eines „Islamischen Phantomstaates“. Auch dann nicht, wenn ein solcher  bekennermäßig „die Verantwortung übernimmt“. Sie alle sind Opfer eines Wirtschaftssystems, das Monster gebiert und zwar gesetzmäßig und zwangsläufig. Sie alle sind Opfer eines militärisch-industriellen Komplexes, zu dem auch die Banken gehören und vor dem schon der ehemalige US-Präsident Eisenhower seine Mitbürger in seiner Abschiedsrede eindringlich gewarnt hat. Ohne Krieg kann dieses vor  Niedertracht triefende   kriegerische Unternehmenskonglomerat keine Profite erzielen, seine mönströsen und inzwischen menscheitsbedrohenden Waffensysteme nicht absetzen. Daher braucht es den Krieg wie die Wolke den Regen (Jean Jaures). Je eher wir also den wahren Feind der Menschheit auch als solchen erkennen, je größer die Chance, dagegen endlich gemeinsam Stellung beziehen zu können, je größer unsere Überlebenschance. In seiner großen  vor den Vereinten Nationen hat der lateinische Papst Franziskus, ziemlich deutlich, eine ähnliche Warnung ausgesprochen. Ähnliche Worte wie der Statthalter  des Heiligen Stuhls  fanden auch der chinesische Präsident Xi Jingpeng, Präsident Putin für Russland und das  iranische Staatsoberhaupt Rouhani. Bezeichnender Weise wurde darüber in unseren Medien so gut wie gar nicht berichtet. Die Welt des Südens und des Ostens aber, die Mehrheit der Erdbewohner, hat die Ansprachen sehr wohl zur Kenntnis genommen. Die Menschen der südlichen Halbkugel  sind schon zu lange Opfer imperialer Politik. Sie wissen daher schon lange vor uns, woher der Wind weht und sie bilden Allianzen und wehren  sich zunehmend. Die Zeichen der Zukunft stehen auf BRICS. Das neue Alphabet heißt AIIB. Es wird Zeit, dass auch wir uns kein X mehr für ein U vormachen lassen.

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1Der ehemalige Präsidentenberater Zbigniew Brzezinski gab einst stolz und offen zu, dass diese von US Diensten ins Leben gerufen worden waren, um das dortige, säkulare sowjetfreundliche Regime zu sabotieren und den Sowjets eine Falle zu stellen, in die sie prompt tappen sollten.