zukunft positiv

„Rechtgläubige zweifeln an Einer Stunde nicht“ 

Vielen geht es jetzt wie Dir und entsprechend werden  sie resigniert den Rückzug antreten. Das war schon immer so in Zeiten der Niederlage, aber nach wie vor gilt auch: Auf jeden November folgt wieder ein Mai. Wie passend scheinen in diesem Sinne heute wieder einmal Hölderlins Worte:

Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein Weniges heute

Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.

Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes

Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.

Trüb ists heut, es schlummern die Gäng’ und die Gassen und fast will

Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit.

Dennoch gelinget der Wunsch, Rechtgläubige zweifeln an Einer

Stunde nicht …“ (Gang auf ’s Land An Landauer)

Es war ziemlich unwahrscheinlich, dass die herrschende Clique des finanz-aristokratisch-militärisch-industriellen-big-techno-pharmazeutischen Komplexes sich so schnell geschlagen geben würde. Zwar verkörpern die Kräfte um Trump eine durchaus starke Gegenbewegung, die sich auch weltweiter Unterstützung erfreut, aber sie hat eben auch wesentliche Schwächen. Ein Teil dieser Schwäche bestand im Schüren von Illusionen! Ein anderer in ihrer Widersprüchlichkeit. In der anti-chinesischen Stoßrichtung der Trump-Anhänger liegt ein weiteres Manko. Der letzte Punkt ist nicht zu unterschätzen. Er kennzeichnet ja  auch unsere neue Demokratiebewegung. 

Positiv zeugt von der Stärke der US-Bewegung, dass Trump und seine Familie bisher überlebt haben, durchaus keine Selbstverständlichkeit. Die Trump tragenden Kräfte, die Souveränisten, die Patrioten, die Opfer der neoliberalen Globalisierung sind nicht aus aus der Welt, wenn sie auch vorübergehend geschwächt sind.

Für einmal glaube ich nicht, dass  des Geostrategen Thierry Meyssans düstere Warnung einer korrekten Lageanalyse entspricht. Die Trumpisten sind keine Hasardeure, sie verkörpern den Mittelstand, sind durch und durch bürgerlich. Donald Trump  hat zuletzt sehr gut gesprochen und hat zurecht zur Ruhe gemahnt. Illegaler Waffeneinsatz würde ja die aktuelle  Niederlage nur vertiefen. Die andere Seite ist nicht zimperlich und hat das Militär auf seiner Seite. Ihre Gewaltphantasien sind gegen projektiv. Wir dürfen jetzt nicht klein beigeben, sondern müssen die Flamme weiterreichen. Das Frühjahr kommt unweigerlich, die Bankrotte  allerdings auch und mit diesen natürlichen bzw. sozialpolitischen Erscheinungen wächst unweigerlich auch der Widerstand, von dem wir mit unseren Geisteskräften ein Teil sind.

Die von Dir übersetzte (russische) Bismarck-Brief-Persiflage von 2014 (!) an Frau Merkel ist in vielerlei Hinsicht zeitgemäß, Bismarck war ein Realpolitiker und an solchen ermangelt es in diesen Tagen entschieden … 

Nun bleiben auf höchster Ebene für’s erste Putin und Xi. Holen wir uns also von dort Rat und die bitter nötige Unterstützung. Der Kampf um nationale Souveränität ist ein erstes Etappenziel. Die Wiedererringung bürgerlicher und sozialer Rechter geht damit zwingend einher. Auf wirtschaftlicher bzw. finanzpolitischer Ebene ist ein Schuldenerlass für nicht rückzahlbare Verpflichtungen zwingend geboten, so erlangt man Souveränität zurück.

Die geistigen Kräfte, die es vielen von uns ermöglichen, einen langen Atem zu bewahren und das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, schöpfen wir aus unserem Menschen- und damit einhergehend Gesellschaftsbild. Der Mensch ist ein kreatives Wesen und hat im Laufe der Historie unglaubliche Errungenschaften hervorgebracht. Er könnte noch viel mehr geschaffen haben, würde er seine geballte Geisteskraft darauf verwendet haben, die Herrschaftsverhältnisse zu seinen Gunsten umzugestalten. In Russland und China (auch auf Cuba mit der ersteren Hilfe) war oder ist dies schon einmal annähernd gelungen. China konnte dabei aus den vergangenen Fehlern anderer schon viel lernen. Es hat immerhin einen beträchtlichen nationalen Wohlstand geschaffen und Millionen Menschen aus der absoluten Armut befreit. Das ist nicht wenig.

Alle humanistischen, sozialen Bewegungen der Vergangenheit stützen sich auf zuvor erarbeitetes Wissen. Das Ur-Christentum schöpfte vor allem aus dem Judentum, den Schriften der Propheten, aber auch andere Weisheitslehren flossen – soweit bekannt ein. Der weithin verkannte Islam wiederum schöpfte 600 Jahre später aus beidem und noch viel mehr. Die Chinesen stützen sich auf ihre uralten Weisheitslehrer und auf den modernen Marxismus-Leninismus-Maoismus. Bert Brecht, der große ‘kommunistische’ Lehrer wiederum studierte die alten Chinesen. Lessing widmete seinen „Nathan“, dem guten Freund, dem Juden Moses Mendelsohn.

Wenn heutzutage Begriffe wie  “Kommunismus”, “Sozialismus”, “linkes Gedankengut” so abgrundtief negativ besetzt sind (was ich gut verstehen kann), so hat das alles mit Geschichtsklitterung und Gehirnwäsche zu tun und schließlich damit, dass noch jede Gegenbewegung, die den Herrschenden in die Suppe zu spucken drohte, allmählich unterminiert und eingekauft  wurde, um sie dann besser diffamieren und stürzen zu können. Ein  bezahltes Millionenheer arbeitet heutzutage  in den Denkfabriken des anglo-amerikanisch dirigierten Geheimdienst-Spektrums. Milliarden gutgläubiger Menschen fallen auf ihre Spukgeschichten herein. Sie sind der festen Annahme, die da Oben wollten nur ihr Bestes, sie wüssten es halt auch nicht besser. Die wenigsten Zeitgenossen machen sich bewusst, was es heißt, dass die  großen Medien noch immer den Konzernen gehören und damit ihnen zu Diensten stehen.

Das ist der ganze “Kommunismus” in einer Nußschale, das ist das Gedankengut auf dem die großen Humanisten und Kommunisten (im vorigen Jahrhundert etwa ein Bert Brecht, ein Nazim Hikmet, ein Paul Robesohn, ein Maxim Gorki, ein Georgi Dimitroff) aufbauten, schrieben und handelten. Sie haben alle einen hohen Preis bezahlt. Es ist verhängnisvoll, das Kind mit dem Bade auszuschütten und es macht einfach keinen politischen Sinn, ein Merkelsches Dummchen (freundlich gesprochen) in einem Atemzug mit solchen Geistesgrößen zu nennen. Schau mal rein bei  den Kanadiern Matthew Ehret und Cynthia Chang, die haben etwas davon verstanden.

Es tut mir körperlich weh, wenn Verbrecher in einem Atemzug mit den Opfern von ihresgleichen genannt werden. Deswegen mein stetiges Ringen um Klarheit in den Begriffen. Irene Eckert