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Newsletter vom 09.12.2014 – Keine Entspannungspolitik

BERLIN (Eigener Bericht) – Mit wütenden Reaktionen überziehen
Politiker und Journalisten einen Aufruf zu einer Politik der
Deeskalation im Machtkampf gegen Russland. Der Westen und Moskau
trieben “unausweichlich” auf einen Krieg zu, wenn sie der
Eskalationsdynamik “nicht endlich Einhalt gebieten”, heißt es in dem
Appell, der von mehr als 60 prominenten Vertretern von Politik,
Wirtschaft, Kultur und Kirchen unterzeichnet und am vergangenen
Freitag veröffentlicht worden ist. Der Aufruf, den Frieden in Europa
nicht leichtfertig zu verspielen, sei “eine politisch-intellektuelle
Zumutung”, erklärt die deutsche Fraktionsvorsitzende der Grünen im
Europäischen Parlament. Ein bekannter Historiker wirft den Autoren des
Papiers vor, “Ratschläge” zu erteilen, “die man als ziemlich
unverschämt zurückweisen darf”. Er bezieht dies auf eine Bitte an die
Medien, “ihrer Pflicht zur vorurteilsfreien Berichterstattung
überzeugender nachzukommen als bisher”. Eine “erstaunliche Homogenität
in deutschen Redaktionen” hatte bereits Mitte November der deutsche
Außenminister beklagt: Es mache das Publikum “misstrauisch”, wenn
“alle das Gleiche schreiben”. Die Dominanz wütender Reaktionen auf den
Friedensappell vom vergangenen Freitag belegt nun erneut die politisch
motivierte mediale Konformität.

mehr
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59015

Zitat:
Eine aufstrebende Generation
Einer der wenigen Kommentatoren, die die “brennende Sorge” der Aufruf-Unterzeichner um den Frieden in Europa in den Vordergrund stellen und teilen, hat am Sonntag darauf hingewiesen, dass die Positionierung im Ukraine-Konflikt “offenbar auch eine Generationen-Frage” ist. So liege “das Durchschnittsalter der Unterzeichner des Aufrufs … weit jenseits der 65″: Es seien “Leute, die den Kalten Krieg erlebt” hätten. “Eine jüngere Generation, weit weg vom 2. Weltkrieg aufgewachsen”, urteile hingegen “über Russland viel schärfer … und drohender”.[10] Zumindest bei der jüngeren Generation im bundesdeutschen Polit-Establishment handelt es sich darüber hinaus um Personen, die ihre Chance zum weltpolitischen Aufstieg sehen, einer führenden Rolle Deutschlands in der Weltpolitik das Wort reden und damit die Berliner Weltpolitik-Kampagne mittragen, die seit Oktober 2013 die öffentliche Debatte durchdringt (german-foreign-policy.com berichtete [11]). Dass Russland mit der Übernahme der Krim Grenzen geändert und damit ein Monopol gebrochen hat, das der Westen – darunter Deutschland – zur Sicherung seiner globalen Dominanz unbedingt behalten will, verzeihen ihm die um ihren weiteren Aufstieg besorgten aufstrebenden Eliten nicht.
Das obige Zitat bezeichnet aus meiner Sicht zu einem wesentlichen Teil die Ursachen ewig wiederkehrender Fehlentscheidungsprozesse der
jeweils politisch verantwortlichen Ebenen. Diese Prozesse gilt es sichtbar zu machen um sie gemeinwohlorientierter umgestalten zu können.

Mit freundlichen Grüßen Thomas Bauer
Initiative: Kein Militär mehr!
Leinaustraße 3
D-30451 Hannover