einsamkeit

Astelle der üblichen Weihnachtsworte und Neujahrswünsche, als Zeichen und in der Hoffnung, dass nicht alle, die uns im Laufe des Jahres  abgeschrieben haben, ihre Augen und Ohren vor wachsendem, himmelschreiendem Unrecht verschließen werden.

          Seltsam, im Nebel zu wandern!

Einsam ist jeder Busch und Stein,

Kein Baum sieht den andern,

Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,

Als noch mein Leben licht war;

Nun, da der Nebel fällt

Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,

Der nicht das Dunkel kennt,

Das unentrinnbar und leise

Von allen ihn trennt.

Seltsam, Im Nebel zu wandern!

Leben ist  (jetzt)* Einsamsein.

Kein Mensch kennt (mehr*) den andern,

Jeder ist allein.

November 1905 Hermann Hesse * I.E.

und

Meti sagte: Im allgemeinen finde ich, dass die Menschen zu unserer Zeit das unzulängliche Leben zu wenig und den Tod zu sehr fürchten. Daß sie den Tod so sehr fürchten, kommt von ihrem unablässigen Bemühen, festzuhalten, was sie haben …

 Sie können sich nur schwer von falschen Vorstellungen befreien.”

Über den Fluss der Dinge sagte er:

„Und ich sah, dass auch nichts ganz tot war, auch nicht das Gestorbene. Die toten Steine atmen. Sie verändern sich und veranlassen Veränderungen. Selbst der totgesagte Mond bewegt sich. Er wirft Licht, sei es auch fremdes, auf die Erde, bestimmt die Laufbahn stürzender Körper  und verursacht dem Meerwasser Ebbe und Flut“. ( Bert Brecht, Meti Buch der Wendungen, niedergeschrieben zwischen 1934 und 1942. Der  chinesische Sozialethiker Me Ti lebte zwischen 470 und 400 v.u.Z)

und unser guter alter Shakespeare ruft aus der Renaissance Ferne:

Madman, thou errest. I say, there is no darkness but ignorance” William Shakespeare (Was Ihr Wollt)

Soweit zu den von mir geliebten Klassikern, auf die ich gleich zurückkomme.

Lang andauernde und reiche Festtage liegen hinter uns. Es waren besonders  reiche und freudvolle Tage, weil Rudolf und ich nicht alleine waren. Wir haben gut gegessen, gelacht und gescherzt und wir hatten unsere tiefsinnigeren, beschaulichen, diskursiven Momente.

Trotz der staatlich angeordneten quasi Isolationshaft waren wir alten Leutchen also weder  allein noch fühlten wir uns einsam. Wir lasen und besprachen das Lukas- und das Matthäus-Evangelium und das Weihnachtskapitel aus Thomas Manns Buddenbrocks.

Das Nebel-Gedicht von Hermann Hesse, das mich schon jahrzehntelang immer mal wieder begleitet, fällt mir  dagegen ein zur künstlich erzwungenen Situation so vieler Menschen zum Christfest.  Diese  große Mehrheit der Menschen haben wir  in unserem ländlichen Idyll keineswegs vergessen  über die Feiertage. Der Württemberger und Wahlschweizer Hesse bringt ja auch die tiefe menschliche Sehnsucht nach Nähe indirekt  zum Ausdruck, Es ist genau diese sinnlich-körperlich-geistige  Nähe die so viele, vor allem auch alte und gebrechliche Menschen in dieser bleiernen Zeit entbehren mußten und weiter müssen. Ob Jung, ob Alt, wer tapert schon gerne – dazu noch alleine  – im sichtbehindernden Nebel herum. Alle Wesen  streben  nach Licht, nach Weitsicht, nach offener Begegnung. Die wirkliche Dunkelheit in der ein Mensch sich verlieren kann, ist aber  nicht die Abwesenheit einer physikalischen Lichtquelle. Selbst Blindheit kann durchaus zum „Sehen“ führen. Das  antike Motiv des blinden Sehers bringt dies treffend zum Ausdruck. Das jüngere Beispiel einer Helen Adams Keller (1880 – 1968) an American author, disability rights advocate, political activist and lecturer, after having lost her her sight and hearing (!) at the age of nineteen months, belegt einmal mehr, dass die geistige Erkenntnisfähigkeit das entscheidende ist, was den Menschen auszeichnet. 

Der Mangel an Bildung, der Mangel an Not-wendigem Wissen, das der Mensch braucht, um seine Lage einzuschätzen und gegebenenfalls zu bessern, verursacht die wahre Blindheit. Es ist die Ignoranz über gesellschaftliche und  geopolitische Zusammenhänge, über Ausbeutungstatbestände diverser Beschaffenheit, die uns uns im Dunkeln tappen  lässt und die uns über kurz oder lang ins Elend stürzt .

Mein stets geschätzter  Dichter Bertolt Brecht hat schon früh die chinesische Philosophie studiert, bevor er sich mit dem historischen und dialektischen Materialismus, der Methode von Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Iljitsch Lenin  anfreundete. Er hat auch  früh über die Verführbarkeit der akademisch gebildeten Klasse nachgedacht, darüber geht auch sein Tui-Roman, In seinem Buch der Wendungen spricht er über die Verwendbarkeit kluger Köpfe.

Auch sein bürgerlicher Zeitgenosse Thomas Mann sprach aus seinem amerikanischen Exil von einem Geschlecht der Mietlinge. In seiner Rede an Deutsche Hörer vom 28. März 1944 prangert er den täglichen Lügensumpf an und er  spricht von der unmäßigen Niedertracht, dieser schmutzigen Schädigung des Wortes und der Idee, ja dem „überdimensionierten Lustmördertum an der Wahrheit“. Solch flammende Ansprache galt natürlich Nazi-Deutschland, aber genau um solcher Mahnungen willen blieb er im  er im Nachkriegsdeutschland unbeliebt.

Natürlich ist die strittige Frage, wer tappt hier im Dunkeln. Wer dient bewusst oder viel öfter unbewusst einer medialen oder obrigkeitlichen Macht, die er oder sie gar nicht als solche erfasst, sondern sie vielleicht eher als helfende Hände, als Schutzpatron in schwerer Zeit erlebt? Wer ist der Geführte und wer der Verführte?

Was haben überhaupt all diese Worte kluger Männer, na ja und ausgerechnet Männer, aus der Vergangenheit mit unserer gegenwärtigen oder gar ganz persönlichen Situation zu tun? Ist es vielleicht sogar vermessen, wie uns von den “Qualitätsmedien“ und ihren Hofautoren glauben gemacht wird, Parallelen zu Zeit der totalitären Diktatur des NS-Faschismus zu ziehen und gar große Namen dafür in Dienst zu ziehen?

Nehmen wir daher für einen kurzen Moment an, unsere Obrigkeiten meinten es ehrlich und wollten uns vor einem gefährlichen Killer-Virus und seinen möglicherweise noch gefährlicheren Mutanten schützen? Würden damit die  Methoden ihrer gesundheitspolitischen „Schutzmaßnahmen“  an Überzeugungskraft gewinnen? Ist es (noch) nachvollziehbar, das nicht erprobte, ganz und gar neuartige mRNA-Impfstoffe  den Alten und Gebrechlichen, den Heiminsassen zuerst verabreicht werden, jenen also, die sich kaum wehren können? War es schon vorher angemessen, alte  Leute Monate lang wegzuschließen und in der Vereinsamung dahinsiechen zu lassen, zumal wertvolles, knappes Pflegepersonal in Quarantäne geschickt wurde? Ist gegenüber Kindern, gesunden Kindern vertretbar, sie in häusliche Quarantäne zu schicken, ihnen die Spielkameraden vorzuenthalten? Ist es hinnehmbar, Ärzten mit dem Entzug der Approbation zu drohen, die ihre Patienten von der Maskenpflicht befreit haben, wissend um den gesundheitlichen Schaden, den diese für alle Menschen, besonders aber für Kinder mit sich bringt? Ist es nachvollziehbar, dass alle Kritiker nah und fern etikettiert, zensiert und diffamiert werden? Ist es vertretbar, dass Anwälte und Journalisten polizeidienstlich behandelt, gemaßregelt, körperlich angegangen, erkennungsdienstlich registriert werden und ihr berufliches Wirken eingeschränkt wird? Ist es nachvollziehbar, dass junge Eltern, die am Weihnachtsvorabend mit einem Säugling aus Berlin zur schwerkranken Großmutter in Süddeutschland unterwegs, wegen einer viertelstündigen Überschreitung der „Sperrstunde“ um 20:15, kurz vor  dem Großelternhaus mit dem Auto festgehalten und erkennungsdienstlich behandelt werden unter möglicher Bußgeldandrohung?

Ich möchte die absurden, an Surrealismen nicht mehr zu überbietenden Ereignisse nicht weiter ausbreiten. Zu schmerzlich  ist es, die Ereignisse auch nur zu benennen, zu schmerzlich vor allem das Weggucken der Vielen  und das  weitere Akzeptieren von Unmenschlichkeiten im Zeichen der Fürsorgepflicht und des Gesundheitsschutzes, während gleichzeitig weiter Betten abgebaut werden, Ärzte während  der tödlichsten aller Pandemien vom Ruin bedroht werden, medizinisches Personal arbeitslos, PCR krank getestet, aber  ohne jegliche Symptomatik, also gesund  in Quarantäne geschickt  wird.

Solches Unrecht und noch sehr viel mehr, mag nicht  für jeden von Anfang an erkennbar gewesen sein. Nun aber nach Monaten der Freiheitsberaubung und der diktatorischen Verordnungen, die per Impfdekret  in unsere körperliche Unversehrtheit einzugreifen im Begriff sind, muss es uns allen doch wie Schuppen von den Augen fallen,  muss registriert werden, dass hier irgendetwas nicht mehr stimmt.

Ich möchte mich – obwohl protestantisch und schulisch  in hohem Verantwortungsbewusstsein sozialisiert – nicht gerne mehr auf Martin Luther berufen, der ein von außen aufgewiegelter Spalter und Fürstenknecht war, aber das „Hier stehe ich und kann nicht anders“ ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Ich  kann nicht schweigen, solange ich Worte habe und meine E-mails noch verschicken kann, obwohl  übrigens viele davon  nicht ankommen und Facebook und Twitter mir mehr oder weniger versperrt worden sind und auch mein  Blog mir nicht mehr zugänglich ist.

Wenn irgendjemand ernstlich glaubt, ich würde „Rattenfängern“ hinterherlaufen, Afterrede führen  oder sei vielleicht alters- oder sonst wie bedingt nicht mehr Frau meiner Sinne, so kann ich nur sagen, mit solcher Etikettierung befinde ich mich in guter, ja bester Gesellschaft. Über 37 000 hochkarätige internationale Wissenschaftler haben die ‚Great Barrington Declaration‘ inzwischen unterzeichnet, die durch Einwirken  der Professoren  Karin Reiss und Sucharit Bhakdis deutlich verbessert worden ist und die die sofortige Aufhebung aller Corona-Maßnahmen fordert.

Ich verbleibe in der Hoffnung Gehör zu finden oder doch  ein wenig nachdenklich gestimmt zu haben mit den besten Wünsche für ein gesegnetes, besseres Neues Jahr.