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“Wir können gar «nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege machen; denn das Schreiben verlangt Denkarbeit» Bertolt Brecht am Vorabend des Zweiten Weltkrieges”

Ein Beitrag von Irene Eckert

Was uns derzeit zugemutet wird ist erheblich, obwohl wir im deutschen Herzen Europas bis dato noch glimpflich davongekommen sind. Zwar leidet unser Ausbildungswesen, verschlechtert sich merklich die Gesundheitsversorgung, breiten sich die unvollendeten Baustellen wie Krebsgeschwüre aus, sind ordentlich bezahlte Festanstellungen rar und die Jugendarbeitslosigkeit hoch. Die
Verdichtung der Arbeit nimmt zu, die Arbeitszeiten sind oft unzumutbar und die Rechte arbeitender Menschen schwinden gegen Null. Allerdings muss keiner hungern bei uns im Lande und wer halbwegs vernünftig lebt, kann sich durchlavieren. Ein Obdach findet sich für die allermeisten, der Winter war mild und daher billig, Bomben fallen keine, die Terroristen toben sich anderwärts aus.

Allerdings nimmt die kulturelle Verwahrlosung immer schlimmere Formen. Brutalität auf allen Kanälen und Gehirn-Manipulationen in ungeahntem Ausmaß strömen auf uns ein. Raffinierte Verdummungs-Strategien sind Legion und die Russland-Hetze ist kaum noch zu überbieten.
Aber in den Shopping-Paradiesen werden vielfältige Ersatzbefriedigungen angeboten und das Schlimmste haben wir hierzulande noch nicht zu befürchten.
Dennoch ist die Ahnung von einer durchaus bedrohlichen Krise nicht ganz wegzuradieren.
Weder Ersparnisse noch Renten sind sicher, die Kriegsgefahr liegt in der Luft.
Eine vernunftbetonte russische Außenpolitik und ein gewisses europäisches Augenmaß haben bisher allerdings das schlimmste verhindert.

Jedoch wären wir keine Menschen, wenn uns das Übermaß an Leid, das unsere Politik anderswo anrichtet, nicht zum Mitleiden veranlasste, wenn es uns nicht manchen Kummer bereiten würde.

Das Leid der Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken, weil die Festung Europa sich so gut oder schlecht wie möglich abgeriegelt, schmerzt uns. Die scheinbar völlig ohnmächtig leidenden, immer wieder von Krieg und anderer Niedertracht heimgesuchten Menschen in Palästina liegen uns schwer auf der Seele. Ähnlich ergeht es uns in Anbetracht des vom ‘Bürgerkieg’ in der Ostukraine verstümmelten, hungernden, frierenden und völlig mittellos gemachten Menschen.

Kein Mensch kann sich entspannt zurücklehnen und glücklich sein, wenn er um das unverdiente Leid, so vieler anderer in unmittelbarer Nähe weiß.

Es gibt aber umfassende Abhilfe für alles das von Menschen verursachte Leid nur, wenn wir uns um ein Verständnis der Zusammenhänge bemühen und wenn wir uns solidarisch gegen die Verursacher dieses Elends zusammenschließen.

Arbeitslosigkeit, Massenelend, Krieg, Faschismus, diese Geiseln der Menschheit sind von keinem Schicksal über uns verhängt worden. Diese ‘apokalyptischen Reiter’ werden von Menschen absichtlich herangeführt, weil einige wenige von ihrem Auftreten profitieren.

Je höher die Arbeitslosigkeit, je billiger die Arbeitskraft, je größer das Massenelend anderswo, desto dankbarer sind die Völker, die (noch) verschont sind und um so leichter sind sie zu manipulieren. Je mehr Kriege auf der Welt angezettelt werden, desto größer der Verdienst der Waffenindustrie.
Je höher die Schuldenberge, desto gewaltiger sind die Profitmargen der Banken. Je schärfer die faschistischen Gewaltmethoden und je demütiger sie hingenommen werden, desto leichter ist es für die Ton angebenden Mächte, den Völkern ihren Willen aufzudrücken. Angst macht demütig und willenlos.

Die jetzt unkontrolliert über uns Verfügenden aber kennen keine Grenzen und ihr Realitätsbewusstsein ist äußerst gering. Die an der Machtschraube Drehenden sehen nicht, wohin das Chaos führt, das sie heraufbeschwören. Vordergründig dient der um sich greifende Zerfall doch ihren Zwecken. Das von ihnen provozierte Chaos. liefert Ihnen den gewünschten Vorwand zum Eingreifen und dazu sic hals vorgebliche, unverzichtbare Ordnungsmacht zu profilieren.
Die Machthabenden stürzen deswegen die Welt zielgerichtet ins Verhängnis. Unbewusst sind sie sogar bereit, die nukleare Weltkatastrophe zu riskieren, nur um nicht von der Bühne abtreten zu müssen.

Es gibt aber in unser aller Überlebensinteresse eine Notwendigkeit, dieser Chaos und Niedergang hervortreibenden Supermacht nachhaltig und selbstbewusst entgegenzutreten.

Dies geschieht glücklicherweise bereits an vielen Enden Welt. Ganz Lateinamerika hat sich auf die Hinterbeine gemacht. Der gesamte südamerikanische Kontinent ist eine große Befreiungsbewegung.
Die Russen, im Bunde mit den vorwärtsstrebenden Chinesen, widersetzten sich der hegemonialen, destruktiven Weltordnung. Syrien, der Iran, Südafrika, ja sogar Ägypten und vorsichtig viele andere setzen mit unterschiedlicher Konsequenz und Einsatzbereitschaft gegenläufige, widerständige Akzente.

Die Kämpfe und die diplomatischen Einsätze jener Völker erfolgen auch in unserem Interesse. Sie sind von welthistorischer Bedeutung. Die BRICS- und CELAC- Staaten und ihre Verbündeten helfen das Überleben der Gattung sichern.

Es genügt aber nicht, wenn wir uns auf die Kräfte anderer verlassen. Es ist unsolidarisch. Es ist blind und macht uns alle unnötig schwach.

Wir müssen also auch in unseren Ländern des globalen Norden den Widerstand gegen den großen Hegemon mit organisieren helfen. Wir müssen unsere Regierenden vor uns hertreiben, wenn sie eine ansatzweise richtige Politik verfolgen. Wir müssen von unserer Kanzlerin und ihrem Außenminister mit Nachdruck fordern, die Verständigung mit Russland konsequenter noch voranzutreiben.
Es darf in unserem Namen keine Ausweitung der NATO an die Grenzen Russlands geben. Es dürfen keine Offensiv-Waffen an Kiew, geliefert werden. Die strikte Einhaltung aller Punkte des MINSKER Friedensabkommens und der dieses unterstützenden einmütig angenommenen Stellungnahme des UN-Sicherheitsrates ist das Gebot der Stunde.

Darüber hinaus ist es geboten, die US-amerikanische Politik als das zu kennzeichnen, was sie nun einmalmal ist: faschistisch, gewalttätig, völkerrechtswidrig, militaristisch und kriegstreiberisch.

Wir müssen wieder lernen, uns zu organisieren. Die bestehenden Vereinigungen jedweder Couleur, jedweder Art sind ebenso wie jegliche Medien weitgehend unterwandert. Dies einzugestehen fällt schwer, ist aber für ein Vorankommen unabdingbar einzusehen.

Neue Zusammenschlüsse müssen geschaffen werden auf der finanziellen Basis von Mitgliederbeiträgen, mit demokratischen Strukturen, Rechenschaftslegung, ohne Einmischung von außen durch große Spendengelder.

Der wichtigste Zusammenschluss wird für die nahe Zukunft notwendiger Weise eine neue Arbeiterpartei sein müssen, die sich der Belange der großen Mehrheit der Hand-und Kopfarbeiter annimmt. Noch immer ist die menschliche Arbeitskraft, die allen Reichtum schafft. Hierbei wird man aus den Erfahrungen der Geschichte lernen müssen. Der Weg, den bis heute noch alle sozialdemokratischen Parteien von SPD über USPD, DKP und die LINKE gegangen sind, hat ins Verhängnis geführt und er führt auch heute überall zum schließlichen Einknicken gegenüber der Militarisierung, gegenüber pseudohumanen Interventionskriegen, neoliberalen Wirtschaftsdiktaten und öffnet so dem Faschismus die Türe. Dem ist Einhalt zu gebieten.

Eine hierfür zwingende Voraussetzung ist, dem Kotau gegenüber dem Antistalinismus der im Kern ein besonders aggressiver Antikommunismus ist, ein Ende zu setzen. Entgegen dem Willen der uns immer noch Beherrschenden, müssen wir aufhören damit die in den Ruin getriebenen, sozialistischen Staaten posthum zu verurteilen.
Vorurteilsfrei müssen diese ersten Versuche, eine humanere, menschenfreundlichere Gesellschaftsordnung aufzubauen, neu untersucht werden. Die klassischen Schriften des Marxismus-Leninismus, die einst der Arbeiterbewegung den Weg zum Erfolg gewiesen haben, müssen studiert und neu evaluiert werden.

Der Weg nach vorne führt also über eine Rückwärtsbewegung. Ohne Aneignung unsere Geschichte sind wir Treibgut auf den Wellen der Zeit.