10. März 2014

Ein früher Frühling ist heuer über uns gekommen. Der Himmel ist klarblau. Die Sonne strahlt und erwärmt unsere Herzen und Sinne. Alles könnte wunderbar sein, wenn nicht aus den Medienkanälen düstere Nachrichten tropften. Abschalten? Chillen? Uns Ausklinken und davon machen?
Vielleicht ist das eine Lösung, vorübergehend und für einige wenige. Für uns viele aber, die von der schreienden Unrechtspolititk der Ausplünderung und Militarisierung betroffen sind, gilt, genau hinschauen und die Rechnung prüfen, die wir am Ende doch bezahlen müssen.

Während wir nämlich noch im Auge des Orkans schlummern, brauen sich schon im Hintergrund dunklere Wolken zusammen. Faschisierung und Krieg lauten ihre altbekannten Namen. Vorerst scheinen nur die Völker fernab im Osten und Süden betroffen, die sich scheinbar gegenseitig die Köppe blutig klopfen. In Wirklichkeit sind wir aber, wie immer mit beteiligt und vor allem auch mit betroffen. Wegducken hilft da wenig.

Immer noch gelten Magnus Enzensbergers* poetisch vorgetragene, fragende Provokationen aus dem Jahre 1962:

wer näht denn dem general

den blutstreif an seine hosen? wer
zerlegt vor dem wucherer den kapaun?
wer hängt sich stolz das blechkreuz
vor den knurrenden nabel? wer
nimmt das trinkgeld, den silberling,
den schweigepfennig? es gibt
viel bestohlene, wenig diebe; wer
applaudiert ihnen denn, wer
lechzt denn nach lüge?

Es sind nach wie vor die vielen, die nicht nachfragen, sondern fraglos funktionieren, die das große Unrecht duldend ermöglichen. Die Duldung des großen Unrechts aber, die fraglos Akzeptanz der großen Unordnung in Form schrankenloser Ausbeutung aber mündet am Ende in Krieg. Wer schweigt stimmt zu. Wer den Silberling nimmt, macht sich zum Verräter an der Sache der Seinen, wird am Ende zum Mittäter.

Unser politisches Führungspersonal ist ehrlich. Es spricht seine Wahrheit offen aus. Die Reden von Frau “Verteidigungsministerin” von der Leyen, von Herr Außenminister Steinmeier und vom Bundespräsidenten Gauck auf der 50. Münchener “Sicherheitskonferenz” Ende Januar vorgetragen sind aussagekräftig. Die Zeichen stehen verfassungswidrig (!) auf Sturm. Im Klartext: weltweite militarpolitische, sprich kriegerische Einmischung ist Nummer 1 auf der Agenda. Die Interessen des militärisch-industriellen Komplexes werden auftragsgemäß bedient.
Nun, Krieg entspricht nun einmal der Natur des Waffengeschäfts.

“soll der geier vergißmeinnicht fressen?

was verlangt ihr vom schakal,
daß er sich häute; vom wolf? soll
er sich selber ziehen die zähne?”

Das wird er naturgemäß nicht tun.

Wir aber, die vielen, die durchaus in der Lage wären, dieses Geschäft zu übernehmen, sollten uns in den Spiegel sehend mit dem guten alten (!) Enzensberger fragen, ob der Vorwurf der Feigheit auf uns weiterhin zu treffen soll:

scheuend die mühsal der wahrheit,

dem lernen abgeneigt, das denken
überantwortend den wölfen,
der nasenring unser teuerster schmuck,
keine täuschung zu dumm, kein trost
zu billig, jede erpressung
ist für uns noch zu milde.

Wollen wir uns von unseren Kindern und Kindeskindern einst vorhalten lassen, was wir unserer Generation durch den Dichter vermittelt vortrugen:

winselnd noch

lügt ihr, zerrissen
wollt ihr werden, ihr
ändert die welt nicht mehr ?

Oder haben wir endlich ein Einsehen und erkennen mit Erich Fried heute noch:

WerWillDasDieWeltSoBleibt

“Wer will,dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt”.

Das aber würde bedeuten, Einspruch geltend zu machen und konsequent Stellung zu beziehen gegen die derzeit tonangebenden Mächte. Dazu bedarf es des Mutes, vor allem aber der Argumente.

Unterziehen wir uns der Mühsal, beschaffen wir uns die Argumente und bewaffnen wir uns damit für die bevorstehenden, zweifellos hart und anstrengend werdenden Auseinandersetzungen.

*Hans Magnus Enzensberger, “verteidigung der wölfe gegen die Lämmer” (1962)

Bearbeitung Irene Eckert