Dolores002

ein Impuls von Irene Eckert

Offener Gedankenaustausch tut Not. Nicht Recht haben wollen ist das Ziel. Es geht vielmehr um ein tieferes, ein echtes Verständnis der weltbewegenden Friedensfrage. Auch Fistelstimmen können sich, wenn sie klar denken,  Gehör zu schaffen.
Alte und Junge, Frauen und Männer,  leise und laute Töne gekonnt vorgetragen, vermögen gemeinsam Großes

Die unbestreitbare Tatsache, dass sich in der vermeintlichen Friedensszene beinahe ausschließlich ältere Menschen tummeln, hat objektive Gründe. Hauptsächlich geschuldet ist die Überalterung unserer derzeitigen kollektiven, analytischen Schwäche und  weniger dem Alter der Teilnehmer.

Meine jüngste Polemik gegen die “greisenhaften Fistelstimmen der ewig Friedensbewegten” zielt auf ganz bestimmte Kreise, deren menschliche Haltung und deren analytische, geopolitische Lageeinschätzung ich für fatal halte. Auch junge Menschen können vergreist sein und auch alte Menschen können noch wegweisende Gedanken haben. Man denke an so verschiedene Menschen wie etwa den weit über 90jährigen Juristen Erich Buchholz und seinen Freund, den Historiker Kurt Gossweiler in Berlin, man denke an die NGO-Vertreterin Edith Ballantyne in Genf oder an Marie Torhorst, die „Pfarrerstochter, Pädagogin, Kommunistin“1 und erste weibliche Ministerin Deutschlands. Diese Frauen sind oder waren bis ins hohe Alter politisch vorwärts weisend aktiv. Man denke auch an Clara Zetkin oder an die ‘Passionaria’, Dolores Ibárruri Gómez, beides großartige Frauen von Weltrang, die noch hochbetagt viele Menschen inspiriert haben.

Musik als völkerverbindendes Kulturgut: Anne-Sophie Mutter

Auch weltbewegende Könner, Frauen wie Annie-Sophie “Mutter und ihre Virtuosi”, ganz junge, internationale MusikerInnen wirken auf ihre Weise friedensstiftend. Die fantastische Geigerin ist mit ihren 53 Jahren eine großartige Inspiration, eine der wunderbarsten Musikerinnen, die ich je gehört habe. Sie gab gestern in der Berliner Philharmonie Bach, Vivaldi, und den „modernen“ US-amerikanisch-jüdischen Komponisten Sir Andre Previn. Die national-religiöse Zuordnung steht leider im ansonsten dürftigen Programm. Mir scheint sie aber überflüssig. Sir Previns Musik ist modern, schräg und ganz im Unterschied zu den Klassikern des Barock berührt sie mich nicht. Das Publikum war gleichwohl durchaus begeistert.

Inspiration und Begeisterungsfähigkeit sind Tugenden für  eine humanere Welt

Inspiration und Begeisterungsfähigkeit sind vorwärts weisende, menschliche Eigenschaften. Sie zielen auf eine menschheitliche, humanisierende Wirkung. Ob Bach, ob Vivaldi, ob Schiller und die Jungfrau von Orleans solch klassisches Erbe sehe ich im Kontext des oben Gesagten dem Menschenfrieden zuarbeitend. Der Niedertracht dienen nur Mietlinge, für sie kann sich keiner begeistern.

Gute Pädagogen können begeistern

Es gibt auch die stillen HeldInnen des Alltags, Menschen die andere für eine gute Sache mitreißen. Eine von ihnen sei Hanan al-Hroub, eine palästinensische Lehrerin, meint die Wochenendausgabe der in München erscheinenden Süddeutsche Zeitung vom 19. /20.März des Jahres.

Die ‘beste Lehrerin der Welt’ Hanan-al-Hroub?

Die eher tragische Figur der ‘palästinensischen Hanan-al-Hroub, die die Süddeutsche Zeitung im Auftrag ihrer Zahlmeister meint würdigen zu müssen, gehört nicht unbedingt zu den Persönlichkeiten, die ich für wegweisend halte. Diese Frau mag ihren Beitrag zur palästinensischen Sache leisten, aber sie ist vor allem doch ein Opfer. Ihre jüngste Huldigung ist  daher eine zynische Farce vor dem Hintergrund der US- und West-gestützten, menschenverachtenden Besatzungspolitik Israels.  Diese, im Lichtschatten anderer  Horrorszenarien, auf Vernichtung des palästinensischen Volkes zielende Politik nennt Gideon Levy, einst Berater von Peres, jetzt  quasi ‘faschistisch’. Es ist  daher nach gerade bösartig, wenn die ‘Süddeutsche’ jetzt in Anbetracht der permanenten Niederlage, die palästinensische Menschen tagtäglich zu erdulden haben, bis hin zum ungesühnten Mord an Wehrlosen, an Kindern, wenn das Blatt nun die Pädagogin Frau Hanan al-Hroub mit den Worten zitiert „Palästina hat gewonnen“ und die Preisverleihung an sie so deutet: „Wrkliche Siege sind nur auf dem Wege der Gewaltfreiheit zu erlangen“. Hiermit wird den Opfern geraten zu kapitulieren und sich wie die Lämmer zur Schlachtbank zu begeben. Das ist eine nachgerade katastrophale Haltung, die uns allen hier vom Münchener Blatte nahegelegt wird. Assoziationen an die kriegstreibende Politik des Münchener Abkommens, das den Zweiten Weltkrieg eingeläutet hat, können nicht ausbleiben.

Wer dem Aggressor nicht die Stirn bietet, der trägt mit Schuld an der krebsgeschwürartigen Ausbreitung des Krieges.

Nun sage man bitte nicht, Schiller verkehrt herum zitierend, solches beinhalte die Zuwendung zur römisch- imperialistischen Losung „Si vis pacem para bellum“. Nein, das meine weder ich, noch meinte das der Humanist Schiller.  Widerstand ist nicht zulässig, er ist notwendig und muss unter Umständen auch bewaffnet sein. Der Widerstandskraft des tapferen palästinensischen Volkes wurde im Laufe einer über 70jährigen Kriegs-und Besatzungspolitik seitens des NATO-gestützten David die Verve genommen. Übrig geblieben ist die gewaltfreie BDS-Strategie, die wir selbstverständlich mit allen Kräften zu unterstützen haben. Aber das alleine genügt nicht.

Israels Politik ist anzuprangern

Noch viel wichtiger aber ist es, den „Fistelstimmen einer noch immer vergreisten Friedensbewegung“ endlich Klartext abzuverlangen. Wir müssen sie zwingen, endlich den Aggressor anprangern. Dieser ist nun einmal und ohne Wenn und Aber Israel und natürlich seine fragwürdigen NATO-Freunde. Deutlichkeit ist erforderlich,  um dem fortwährenden Übel Einhalt zu gebieten. Es genügt nicht, mit leiser, schuldbeladener Stimme, den Israelis das eine oder andere Zugeständnis abzuverlangen oder halbherzig zu zuzugeben, dass die auch keine ganz reine Weste haben.

Nein, es ist hier und heute Aufgabe von Friedenskräften,  den Palästinensern den Rücken zu stärken und kämpferisch zu fordern, dass unsere Regierung die Unterstützung Israels so lange auf allen Ebenen einzustellen hat, so lange dieses Land, dieser Staat, diese Nation, diese Regierung sich nicht an völkerrechtliche Vorschriften und Verträge hält.

Die ‘Süddeutsche’ müsste, ob des fragwürdigen Beitrags ihres Kommentators Peter Münch mit Leserbriefen bombardiert werden, die Klartext sprechen in Sachen menschenrechtsverachtender Besatzungspolitik Israels. Dazu muss gewaltfreier Widerstand hierzulande aufraffen, wenn er seine Bezeichnung verdienen soll. Solange er das aber nicht tut, ist er feige und sein analytischer Blick getrübt, vermutlich, weil er Abhängigkeiten unterliegt.

Syrien und Russland, Iran

Womit wir bei Syrien und Russland wären. Billiger ist es natürlich, jene Staaten und jene Politiker zu kritisieren, die im Visier des Imperiums sind, deren Fall vorprogrammiert ist. Dazu gehören aus westlicher Sicht erklärtermaßen an allererster Stelle Russland und Syrien und natürlich ihre Staatsmänner. Ähnliches gilt für ihre besten Medienmacher. So werden die hochqualifizierten Mitarbeiter von RT, viele hochkompetente Frauen übrigens durchweg als „Putin-Trolle“ abgetan. Gleiches blüht allen, die sie verteidigen.

Natürlich werden wir (vorgeblich) nicht gehört, abgehört aber  schon.  Wenn wir nicht zuerst einmal Russland, Putin, Syrien und Assad ‘kritisieren’, sollen wir den Mund halten, erhalten wir kein Forum. Solches Vorgehen entspricht der totalitären Diktatur des Imperiums, der wir seit langem  ausgesetzt sind. Putin und Assad-Kritik ist das Eintrittsbillet in deren Kreise, Kreise in denen Israelkritik selbstredend unzulässig ist.

Totalitäre Gleichschaltung bei uns in NATO-LAND

Nur wenn wir ihr Lied singen, dürfen wir also  den Chorraum betreten. Divergente Stimmen werden als Misstöne draussen gehalten, obwohl ansonsten schief, schräg  und schrill gesungen und komponiert werden darf. Deine Stimme aber, dein divergenter Ton, deine Meinung wird dann nicht zugelassen, wenn sie vom machtpolitischen Mainstream abweicht. Du musst vorher deine Urteilskraft über ihren laschen Gesangsverein ‘relativieren’, auch wenn du ihn insgesamt unter jedem Niveau findest, weil er nur Kriegshymnen einstudiert. Du musst dein Stimmorgan, der Tonhöhe der Chorherren anpassen, noch bevor du es ausbilden konntest. Dein Zensor im Kopf verhindert schon, dass du vom vorgegebenen Text abweichst. Sie können dich nur gebrauchen, solange du ihre Grundhaltung nicht ins Wanken bringst. Das “geduldete Fistelfriedensstimmchen” dient als demgegenüber nützliches, liberales Aushängeschild.

“Pelagea Wlasowa”, unsere AKF-Webseite, der Rundbrief und Schillers “Johanna”

Unsere mit vernehmlicher Stimme angebotenen Alternativmedien sind klein und noch relativ einflußlos. Sie verfolgen, wie viele andre Kleine, die Absicht, dem Mainstream ins Wort zu fallen, sie wollen zum Nachdenken anregen, Fragen aufwerfen, die sonst keiner stellt. Sie wollen Zweifel an der Richtigkeit des Üblichen nähren. Das ist aber nicht im Sinne imperialer Machtpolitik, mit der wir es leider zu tun haben.

Mit dissonanten Tönen eckt man überall an, man erwirbt sich also  nicht breite Zustimmung.
Man holt sich Ärger ins Haus, wird ausgegrenzt, wird diffamiert. Solche Erfahrungen mussten bisher alle Kritiker der Macht erdulden, bestenfalls.

Auch Schillers  Jeanne d’Arc widersetzt sich den imperialen kriegerischen Absichten der Engländer. Sie handelt gemäß ihrer inneren Eingebung, gegen dein eigenen Vater, gegen den Rat ihrer Umgebung. Die Engländer bringen sie mit dem Vorwurf der Hexerei zu Fall. Die historische Johanna endet auf dem Scheiterhaufen. Als heldenhafte Symbolfigur überlebt sie aber die Jahrhunderte, weil ihre Aufrichtigkeit, ihre Begeisterungsfähigkeit, ihre Tapferkeit und vor allem die selbstlose Redlichkeit ihrer Motivik den Eigenen zum Sieg verhilft. Das sprichwörtlich schwache Geschlecht wächst in der Johanna buchstäblich über sich selbst hinaus, wird kämpferisch im Angesicht eines überlegen scheinenden Feindes und siegt. Die Jungfrau von Orleans gewinnt mit den Waffen des Geistes. Sie symbolisiert für alle Welt  den gerechten Widerstand, der allerdings in Anbetracht der ins Land schon eingefallenen bewaffneten Heere auch ein bewaffneter sein muss.

Gerechte Sprache ist das wichtigste Mittel des Abwehrkampfes

Der in jedem Rechtsempfinden und in jedem Völkerrecht verankerte Abwehrkampf, Verteidigungskampf, der Widerstandskampf gegen fremde, machtpolitisch oktroyierte Besatzung, gegen aggressive Eroberung, gegen Raubzüge ist völkerrechtlich geschützt, ist gerechtfertigt,  ja ist mit dem Begriff “Krieg” unzureichend charakterisiert! Wer sich gegen einen Aggressor wehrt, führt keinen Krieg im Sinne eines Eroberungsfeldzugs. Das Opfer ist nicht der Henker. In Syrien findet kein Bürgerkrieg statt, sondern ein Abwehrkampf gegen fremde Eindringlinge, gegen Söldnerheere, die vor allem von den Saudis und den Türken im Bunde mit den US-Amerikanern und Israelis ausgestattet werden.

Gewaltfreier Widerstand muss natürlich zu allererst auf eine gerechte Politik, muss auf Diplomatie anstelle von Gewalt zielen, aber auch auf Interessenausgleich. Gewaltfreier Widerstand hat zur Not-wendigen Voraussetzung eine wirklichkeitsgetreue Lagebeurteilung. Meist sind es die Opfer von Gewaltpolitik die dazu eher in der Lage sind. Die Syrer, die Iraner und Russen, die Opfer einer äußerst aggressiven, imperialen Machtstrategie setzen von Anfang an auf Interessenausgleich, auf Diplomatie. Sie haben ja auch keine andere Wahl, solange die Überlegenheit der Waffen den anderen die Macht sichert.

Die Sprachwahl ist nun für jeglichen diplomatischen Umgang und für die Überzeugungskraft der eigenen Sache erheblich. Wir alle können und müssen uns, wenn wir dem Frieden dienen und dem Krieg, dem Inbegriff der Gewaltherrschaft, Paroli bieten wollen, wir müssen uns einer sehr präzisen, historisch akkuraten Sprache bedienen. Das setzt fundierte Kenntnisse auf allen Ebenen voraus. Die Macht-Politiker bedienen sich ja schließlich jedes Mittels, jeder vefügbaren Raffinesse zum Erhalt und Ausbau ihrer Position. Sie bezahlen Leute dafür, die nicht nur Schwerter führen, sondern auch sich der Sprache, der Kunst, der Religion virtuos bedienen können. Die Religion ist aber deswegen nicht das Übel, das zu bekämpfen wäre, genauso wenig wie Kunst oder Sprache per se schlecht wären.

Bedeutung der Sprache und der Religion

Die Religion, die allen Völkern eignet (2), beinhaltet zunächst  das Fundament der Ethik, der Moral des Menschseins. Re-ligio heißt ursprünglich Rückbindung und meint Einbindung des Menschen in das Universum, zielt also auf Verantwortung für ein Ganzes . Mensch sein ist mehr als Vieh sein oder als das Dasein einer schöne Blume mit raschem Verfallsdatum. Dass Religionen machtpolitisch auch zu verfälschen sind, ist bekannt.

Der Mensch, so will es aber nicht nur der große Shakespeare in seinem Hamlet-Drama, ist von quasi göttlicher Begabung. So will es etwa auch der Koran. Sos wollen es alle großen Klassiker. Um im vollem Umfang des Möglichen Mensch zu sein bedarf es natürlich der höheren Bildung, der Willensschulung, der Rückbesinnung auf die Natur. Was der Mensch durch künstliche Barrieren trennt, kann seine Religion, kann die Philosophie, die Liebe zur Weisheit, kann die Kunst, die Musik wieder zusammenführen.

Dem nationalen, dem staatlichen Interesse zu dienen, ist per se also ebenso wenig schlecht, wie es schlecht ist, sich einer Religion oder einer bestimmten Welt- oder Werte-Anschauung zu verpflichten, im Gegenteil. Aber alles und jedes ist eben missbräuchlich, weil dialektischer Natur. Es gilt immer die vorantreibenden, vorwärts weisende, vermenschlichende Seite hervorzukehren, nicht die zerstörerische. Die Ansprache des Menschen durch religiöse Rituale, durch Rückbindung in eine Gemeindeordnung, durch den Verweis auf die Transzendenz kann also genauso gut wie schlecht sein. Es kommt auf den Karren und seinen Inhalt an, vor den man sich spannen lässt.

Von der dialektischen Natur aller Dinge

Weder ist also die Religion grundsätzlich abzulehnen, weil sie immer wieder vor den Karren der Macht gespannt wurde, noch ist der Staat zu verdammen als Gebilde das grundsätzlich auf Gewalt beruhe, noch sind alle Waffen zu verteufeln, weil sich Mächtigen ihrer als Repressionswerkzeuge bedienen. ‘Waffen’ können viele Dinge sein, auch das Argument ist eine. Waffen können von überlebenswichtiger Bedeutung sein. Waffenlosigkeit kann einem Todesurteil gleichkommen.

Privater Profit aus Waffenschmieden tötet schon vor dem Einsatz der Waffen

Genauso besteht in der Tat ein erheblicher Unterschied zwischen der katastrophalen Tatsache der astronomischen, privaten Profitrate, den ein knappes Prozent der Menschheit aus dem militärisch-industriellen Komplex der NATO-Staaten zu ziehen vermag und dem staatlich organisierten Rüstungssektor etwa in China oder Russland. Man sieht es doch an den ungleichen Folgen für die Welt. An ihren Früchten erkennt ihr den Wert ihres Tuns.

Die NATO Staaten, der traditionell westlich-europäische Teil der Welt hat seit dem 15. Jahrhundert die Welt kolonisiert, sprich, die Menschen des Südens mittels überlegener Waffen massakriert und untertan gemacht. Die Chinesen und die Russen waren immer wieder Opfer von solcher Gewalt. Sie wurden von Angriffskriegen heimgesucht, haben selbst aber keine Angriffskriege geführt.
Die Russen nicht, seit der Sowjetzeit. Afghanistan war völkerrechtlich kein Angriffskrieg, wenngleich eine falsche Entscheidung, fußend auf einer falscher Politik seit Chruschtschow, Breschnew und Kompanie. Diese westgesteuerten Figuren haben  die Sowjets nicht nur dort in einen Sumpf gezogen.

China hat seit Jahrhunderten keine Angriffskriege geführt, das Scharmützel mit Vietnam ausgenommen, wobei das kurze ‘Abenteuer’ näher beleuchtet werden müsste, um zu einem abschließenden Urteil zu kommen.

Vom Wert bloßer Waffenbeschreibungen

Die Waffenbeschreibungen zu lesen, ist alleine niemals aufschlussreich. Die Frage ist vielmehr, wer unter welchem Druck, zu welchem Behufe und basierend auf welchem politischen Plan die Waffen herstellt und vertreibt. Die Frage, “warum es Russland wohl anders machen sollte als die USA, als Deutschland und die anderen ‘Industrienationen’ “- ich würde um der Präzision willen sagen NATO-Länder – diese Frage ist unanständig und beantwortet sich vor dem Hintergrund der Geschichte von selbst. Wer baut schon wieder eine Angriffsfront in Osteuropa vor der Haustüre Russlands auf und im Chinesischen Meer vor Chinas Pforten? Wer hat 1945 zweimal die Atombombe eingesetzt? Wer hat seither noch jeden Krieg vom Zaum gebrochen? Wer trägt die Verantwortung für zwei Weltkriege mit Millionen Toten? Natürlich sind auch die   jeweils angeführten Informationsquellen quellenkritisch zu hinterfragen. Selbst das angeblich neutrale und zuverlässige SIPRI in Stockholm ist es natürlich keineswegs, sondern begünstigt den Westen. Bombe ist durchaus nicht gleich Bombe, es kommt darauf an, wer den Daumen drauf hat. Wolf Biermann hat unrecht, wenn er singt „Soldaten sind sich alle gleich, lebendig und als Leich“ – das ist Defäitismus. Einem solchen Bänkelsänger wären die Klassiker in der Tat vorausschauend abhold.

Patriarchats-Kritik oder Rolle der Frau in Politik und Friedenskampf

Weder Goethe noch Schiller wollten die Frau vom öffentlichen Leben ausschließen. Schillers und auch Goethes Werke zielen auf menschheitliche Emanzipation, deswegen gehören sie ja der ganzen Welt. In Schillers Gedicht von der Würde der Frauen3 kommen die Männer gar nicht gut weg. Das Gedicht ist dialektisch aufgebaut und muss im Kontext von Schillers Gesamtwerk gewürdigt werden. Die „Johanna“ ist ein großes, weltbedeutendes, Generationen überdauerndes  Schiller-Werk.
Die Gebär’funktion’ der Frau ist natürlich weit über den ‘Akt’ des bloßen Lebenschenkens hinaus von maßgeblicher Bedeutung. Diese Bedeutung zu minimieren ist zwar post- modern, aber dennoch reaktionär, frauen- und menschheitsfeindlich.
All dies gesagt habend, bin ich dennoch der tiefen Überzeugung, dass gerade wir Friedenskräfte durchaus zusammenkommen können und durchaus auch über den Klassiker Schiller, den es nur adäquat, sinngemäß, ganzheitlich und vor seinem historischen Kontext zu begreifen gilt. Die postmoderne Wissenschaft ist dem gegenüber keine, die diesen Namen verdiente und über sie ist vielleicht wirklich nicht zusammenzukommen. 5.04. 2016
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1Dietzverlag, Berlin 1986
2Siehe hierzu Hans Küng
3 Ehret die Frauen! Sie flechten und weben Himmlische Rosen ins irdische Leben/Flechten der Liebe beglückendes Band/Und in der Grazie züchtigem Schleier/Nähren sie wachsam das ewige Feuer/Schöner Gefühle mit heiliger Hand.