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Wir müssen das friedenspolitische  Gebot der  Stunde richtig erfassen und das Vernünftige tun!

Es  ist ein verhängnisvoller  und weitreichender politischer Irrtum anzunehmen, dass Frau Merkel zu den Hauptkriegstreibern gegen Russland   gehöre. Dazu bekommt sie viel zu viel Gegenwind aus der eigenen Bevölkerung und von relevanten Kreisen der deutschen Wirtschaft. 20 führende Unternehmer-Vertreter haben  am Mittwoch im Kreml  vorgesprochen unter anderem dabei waren Winterschall und Siemens. Sie wurden unter anderem von Außenminister Lawrow empfangen. Kurz zuvor war Außenminister Steinmeier beim russischen Präsidenten zu Gast  und gar zum Abendessen geladen worden. Ohne Absprache mit der Kanzlerin sind solche politisch außerordentlich wichtigen Demarchen kaum denkbar. Frau Merkel selber hat in Brisbane, Australien anlässlich des G20 Gipfels vier stundenlang “geheim” mit Vladimir Putin konferiert. Warum hätte sie das tun sollen, wenn sie  auf Krieg  aus ist.  Sie ist wohl kaum so naiv, zu glauben, dass sie  die Russische Föderation mit ihrem Charme bezwingen  und  den Abzug Russlands von der Krim mit Hilfe ihrer weiblichen Reize  erzwingen könnte .

Unstrittig ist, dass ihre aggressive Wortwahl gleich nach dieser wichtigen Aussprache, die gegen Russland zielte, nicht gerade friedenspolitisch zu begrüßen ist.  Aber gerade jenen, die immer auf unser Abhängigkeitsverhältnis gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika pochen, sei gesagt, Abhängigkeiten erfordern  manchmal sehr viel diplomatisches Geschick. Frau Merkel muss lavieren, um den verschiedenen machtvollen  Interessen, die sie bedrängen gerecht zu werden. Ihr martialisches Wortgeklingel ist nicht immer für bare Münze zu halten. Warum sollte sie Steinmeier nach Moskau fahren lassen? Warum sollte die weitestgehend gefügige Regierungspartei  SPD einen ihrer ehemaligen Ministerpräsidenten, einen der populärsten dazu, einen  Vormarsch wagen lassen, in Richtung Verständigungspolitik?

Natürlich wird er zurückgepfiffen. Die Völkerrechtsfrage bezüglich der  angeblichen Krim-Annexion ist offenbar die rote Haltelinie des Hegemon, die nicht überschritten werden darf im diplomatischen Vorgeplänkel. Auch ein de Maiziere darf  geopfert werden, aber der Petersberger Dialog wird dennoch weiter gehen.

2014  ist nicht 1914 und auch nicht 1939. Wir müssen uns das bewusst machen als zivilgesellschaftliche Akteure, um unseren Einfluss nicht zu verspielen. Das Kräfteparallelogramm in der  Welt hat sich grundlegend verändert. Die Vereinigten Staaten vom Amerika, die Sieger des Ersten und des Zweiten Weltkrieges sind bankrott. Das pfeifen die Spatzen von den Dächern. Als Schutzmacht, als Ordnungsmacht sind sie hinfällig. Sie können nicht mehr die Rahmenbedingungen für die Profite absichern. Sie stiften Unheil, wohin sie auch greifen. Das sehen die entscheidenden Akteure besser als mancher, der sich der Friedensbewegung zugehörig betrachtet. Selbst us-amerikanische Generäle und Geheimdienstmitarbeiter sehen klarer als mancher pseudolinke Politnik in Europa, dass der Westen  die Mittel zu einem wirklich großen Kräftemessen nicht mehr besitzt. China ist die kommende Weltmacht und Russland im  Begriff, sich immer besser mit dem asiatischen Riesen zu vertragen.

Die Zukunft heißt BRICS und der Westen muss die zweite Geige spielen. Er kann einen Krieg gegen Russland nicht durchstehen. Er kann sich nur ins Benehmen setzen und langsam von seinem Aggressionskurs abrücken, will er nicht gänzlich untergehen. Europa hat unter deutscher Führung einen erheblichen Beitrag zu leisten. Ermutigen wir unsere Regierung voranzugehen und schlagen wir nicht in blinder Verkennung realer Kräfteverhältnisse auf sie ein.

Irene Eckert, AKF

siehe auch : http://www.dw.de/eu-setzt-auf-beharrliche-diplomatie/a-18070145