Für Dietrich und  alle China- und geopolitisch Interessierten! 

Es irrt der Mensch so lang er strebt.

 

Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange,

Ist sich des rechten Weges wohl bewußt.

Goethe, Faust I. Vorspiel im Himmel

Bedeutung einer Debattenkultur 

Herzlichen Dank gebührt Dietrich für seine sehr erwünschte Beteiligung an einer überaus wichtigen, dem Frieden in der Welt dienlichen  Debatte. Einmal mehr verdeutlicht sein Beitrag, wie wichtig nicht nur fundiertes historisches und geopolitisches Wissen, sondern auch begrifflich klares Denken zur Orientierung in der Welt sind. Es sind die Begriffe, also die Werkzeuge des Denken mit Hilfe derer wir uns die Welt erschließen oder verbauen können. Wenn die Werkzeuge stumpf oder auf andere Weise ungeeignet sind, dann ist unser Begriffsvermögen erheblich erschwert. Der Mensch irrt oft auch noch in seinem edelsten Drange, weil  andere, raffiniertere Kräfte für uns die Werkzuge des Denkens in durchaus böser Absicht verbogen haben.

Bedeutung von faktischem WIssen und begriffliche Klarheit

Solche ‘Werkzeugverbieger’ sind in genau jenen Kreisen zu finden, die für sich die Weltherrschaft beanspruchen und nichts und niemanden außer sich gelten lassen und  das nicht erst seit vorgestern. Es sind dies  die Finanzaristokraten aller Provenienz, Rüstungs- und sonstige Spekulanten, Kriegsgewinnler aller Jahrhunderte, moderne Big-Tech-Haie und Pharma-Riesen sowie deren Hand-und Kopflanger. Diese Menschen haben durchweg keine Religion, keine Seele, keine Moral, kein Vaterland, sie kennen nur dynastische und Profit- Interessen. Ihnen verdanken wir das alptraumartige Koma in das die Welt seit dem Frühjahr 2020 verfallen scheint.

Es gilt die sehr reale Kabale jener Kreise aufzuspüren, wie es etwa der kanadische Historiker Matthew Ehret tagtäglich in mühevoller Präzisionsarbeit für uns tut. Es gilt deren Machenschaften und Verzweigungen offenzulegen, ihre Motive zu erkunden. Solch seriöse Forschungsarbeit kann uns davor bewahren, die falschen Schlüsse zu ziehen.

 Was nun die Volksrepublik China mit all ihren Licht und Schattenseiten betrifft, so gibt es wenige in Deutschland, die so viele Kenntnisse aus erster Hand haben wie Professor Elsner, Professor Bauer und  Werner Rügemer, vor denen Dietrich  ja auch eingangs symbolisch den Hut zieht. Deren Bücher zu lesen ist ein Erkenntnisgenuss. Gegenüber seriös recherchiertem Sachwissen halten wiedergekäute Phrasen von der chinesischen Verfolgung von Minderheiten, von dortigen Biolaboren, von Mindcontrol und der scheinbar undurchdringlichen Chinesischen Mauer nicht stand. Selbst Theo Sommer in seinem „China First“ erspart uns, dankenswerter Weise weitgehend solche Klischees. 

Manchmal führen Umwege schneller zum ersehnten Ziel

Ob sich China mit Blackrock „eine Laus in den Pelz“ gesetzt hat, ähnlich wie mit der Akzeptanz von US (Fauci-) Geldern  für das fragliche Labor in Wuhan für „gain of function“ Forschung an Biowaffen oder es am Ende ein kluger Schachzug war, wird sich zeigen.

 In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts schien China keine andere Wahl zu haben als weiland Henri Kissingers Angebot, das im Geiste britischer Dienste erfolgte, anzunehmen. Um an investives Kapital zu kommen haben die in großen Zeiträumen denkenden Chinesen die bittere, eugenische  Pille der aufgezwungenen Ein-Kind-Politik geschluckt. Kürzlich erst wurde  endlich diese eugenische Abweichung aufgehoben; für Minderheiten galt sie nie! Derweilen hat sich – innerhalb  von nur drei Jahrzehnten – ein großes Volk aus bitterer, Kolonialismus bedingter  Armut befreit. Ganz China schreitet auf dem Wege in einen bescheidenen Wohlstand stetig voran. 

Hoffnung für den Globale Süden und die Neue Seidenstraße

Gleichzeitig streckt es mit dem Infrastrukturprojekt der Neuen Seidenstraße die vollen Hände nach allen Richtungen aus und bietet Kooperation statt Konfrontation für jene, die wollen an. Vor allem der  Globale Süden, bis heute  immer wieder aufs Neue vom  Imperialismus versklavt, fängt davon zu profitieren an. Auch uns bietet sich hier eine große Möglichkeit zur Rückgewinnung verlorener Souveränität und nationalem Reichtum. Insgesamt sind schon 140 Staaten in das Projekt eingebunden. Afghanistan und Syrien werden mit chinesischer Hilfe wieder aufgebaut werden. Russen und Chinesen reichen sich die Hände, um den Scherbenhaufen, den die Anglo-Amerikaner hinterlassen haben aufzuräumen.

Soviel zur geopolitischen Lage, die hoffentlich dank russischer, chinesischer und nicht zuletzt iranischer Staatskunst uns einen nuklearen Schlagabtausch ersparen möge.

Kooperation statt Konfrontation

Mit welchen Begriffen wollen wir nun  die bezeichneten Vorgänge erfassen? Wir alle wissen, dass die Chinesen nicht müde werden immer wieder von einer Win-Win-Politik zu sprechen oder von Win-Win-Geschäften, bei denen keine Seite einen Verlust erleidet, vielmehr beide Seiten nur gewinnen können. Zweifelsohne müssen wir einfachen Bürger beten und hoffen, dass Chinesen, Inder, Russen und Iraner, dass Japaner und Koreaner, dass NATO-gebundene Europäer sich nicht in einen vom Imperium diktierten bewaffneten Konflikt verstricken lassen. Wir müssen fordern, dass sie auf weitere Drohgebärden im Stile des Auffahrens der Bayern Fregatte im Südchinesischen Meer in Zukunft verzichten werden und die chinesischen Offerten ernsthaft prüfen. Kanonenbootpolitik im nuklearen Zeitalter russischer Hyperschallwaffen gleicht einer absurden Farce.

Die Links-Rechtsverwechslung

Was aber hat eine solch unfreie, martialische Geste nun mit „Kommunismus“ zu tun??

Sind es etwa ‚Linke‘, die eine solche Politik befeuern? Grüne schon, aber Linke eher nicht, oder?

Den historischen Linken aller Couleur kann man vieles anlasten und die Sozialdemokratie hat mit ihrer Bewilligung der Kriegskredite im Ersten Weltkrieg nicht nur ihr Klientel verraten, sondern Millionenkriegstote mitzuverantworten.  Allerdings hat dieser begriffslose Akt auch zur Spaltung der Linken geführt und die redlichen, der Arbeiterschaft, den Bauern und dem einfachen Volk verpflichteten Linken, die Bolschewisten nämlich haben schließlich einer Revolution zum Sieg verholfen, deren menscheitsbefreiende Folgen bis heute nachwirken. Die Nachwirkungen zeigen sich  allerdings nicht Form eine „EUdSSR“, sondern in einer Volksrepublik China! Das dortige, vorherrschende Denken, das stets auf Kooperation statt Konfrontation zielt, ist eben nicht nur vom Konfuzianismus eigener Provenienz inspiriert, sondern auch vom Denken unserer Klassiker, übrigens nicht zuletzt solcher Geistesgrößen wie Leibniz und Friedrich Schiller. Allen voran schuldet aber die Chinesische Revolution ihren Sieg eben auch europäischen Klassikern vom Zuschnitt eines Karl Marx, eines Friedrich Engels, eines Lenin und eines Stalin. An der Herausgabe einer chinesischen MEW-Gesamtausgabe arbeitet seit Jahren der aus Erfurt stammende deutsche Professor Knopf mit, der nach der durch imperialen Zwang erfolgten „Wiedervereinigung“ Deutschlands in der „EUdSSR“ als Spezialist in Sachen Marx/Engels keine Arbeit mehr finden konnte. Die Chinesen haben ihn gerne aufgenommen und so arbeitet er dort auch mit an der deutschen Fassung der Dokumente, die den beim Chinesischen Volkskongress akkreditierten Journalisten zur Verfügung gestellt werden.

Henri Kissinger und der Marxismus – Nein Danke!

Wenn dem gegenüber ein Henri Kissinger vom „Marxismus“ spricht, den er uns und der ganzen Menschheit angedeihen lassen will, dann Gnade uns Gott vor so viel Begriffsverwirrung bzw. absichtlich bösartiger Begriffsverdrehung.

Wer hat denn die sieg- und ruhmreiche UdSSR von innen heraus zersetzt und schließlich in den Kollaps getrieben? Das waren nicht ihre geistigen Väter, das waren nicht die Nachfolger von Marx, Engels, Lenin oder gar Stalin – das waren Trotzkisten vom Schlage Chruschtschow und Konsortien. Diese Gattung Mensch aber stand im Solde des Imperiums. Man lese dazu alle Bücher des US-amerikanischen Professors  Grover Furr.

Auch der gute Kurt Gossweiler, Faschismusexperte und verdientes Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR hat viel Wichtiges dazu beigetragen, ebenso der aus Indien stammende Brite Harpal  Brar, der erst kürzlich dem RT Reporter Cale Maupin ein langes Interview* gab.

Es ist an der Zeit die Gleichsetzung der entschiedensten Gegner des Marxismus-Leninismus und der Sowjetrepublik mit ihren erbittertsten Gegnern zu beenden und sich auch dies bezüglich nicht auf die Geschichtsschreibung des  gekauften Mainstream zu verlassen. Sind Begriffe falsch, ist das Denken falsch und was dabei herauskommt ist meist das Gegenteil von dem was man sich wünscht.

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* This is an excellent interview with Harpal Brar. He talks about the achievements of the USSR and China and criticizes where he thinks it’s justified.

https://youtu.be/M6G_pjtz8cc

Mit frdl. Grüßen Irene Eckert