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Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde …

Ermutigende Gedanken zum Jahresbeginn
von Irene Eckert
Jenseits von Niedergang und kriegerischer Verstrickung zeichnen sich seit einigen Jahren konstruktive Umbrüche in der Welt ab, auch wenn der globale Norden die Zeichen der Zeit noch falsch deutet. Langfristig wirkende, positive Entwicklungen sind unterwegs und nicht mehr aufhaltbar. Der Wiedereintritt Russlands in die Geschichte vor nunmehr 15 Jahren ist ein Meilenstein auf dem Wege zu einer kooperativen, multipolaren Weltordnung. Die geschickte, wohlüberlegte Bündnispolitik der multiethnischen und multireligiösen Russischen Föderation unter Putins umsichtiger Führung verdeutlicht nachhaltig die Möglichkeit zu einer konstruktiveren Weltordnung. Der größte Flächenstaat der Erde mit den umfänglichsten Naturressourcen kann und wird an der Seite des volkreichsten Staates China die Welt in eine bessere Zukunft führen. Beide große Kulturnationen wissen, dass sie zusammenarbeiten müssen. Beide sind der umfassenden Bedrohung durch imperiale Einkreisung ausgesetzt. Beide Länder verfügen aber auch über eine reiche revolutionäre Erfahrung in der Abwehr kolonialer Übergriffe. In Zusammenarbeit mit allen nach Unabhängigkeit strebenden Staaten der Erde bilden diese Länder langsam aber stetig ein Gegengewicht zu den monopolaren Weltordnungsvorstellungen der USA und ihren hörigen Vasallen.

Ziegelrote BRICS-Bausteine versus olivgrüne NATO

Die westliche ‘Staatengemeinschaft’ des NATO-Kriegsbündnisses und ihre ‘Koalition’ von unterworfenen Völker bilden ein fragiles Gebilde. Im Grunde wird es nur durch erpresserische Gewalt zusammengehalten. Dagegen verbindet die BRICS-Gemeinschaft das befreiende Interesse am Aufbau eines globalen Gegengewichts. Das Acronym BRICS bedeutet in sinngemäßer Übersetzung ziegelrote Bausteine. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bauen mit Hilfe der BRICS an einer kooperativen Weltordnung. Stein auf Stein entsteht so ein globaler Zusammenhalt, der ohne Drohgebärden auskommt und ohne pseudo-humanitäre Intervention. Die streng am Völkerrecht der UN-Konventionen orientierte Zusammenarbeit respektiert die nationale Souveränität und die Vielfalt fremder nationaler Gebilde. Die Islamische Republik Iran steht auf ihrer Seite. Auch dieses Land hat sich seit 1979 allmählich aus kolonialer Bevormundung befreit.

Begründete Hoffnung auf eine alternative Weltordnung

Auch im Rahmen der UNO wirken diese Staatengruppierungen zusammen. Wirtschaftlich starke Interessen verbinden sie in Formaten wie AIIB, CELAC und SCO. Die AIIB ist eine Alternativgründung zum IWF, die CELAC ein lockerer Verbund aller lateinamerikanischer Länder und die SCO mit Sitz in Peking verbindet wichtige asiatische Länder. Die auf solche Weise angestrebte multipolare Weltordnung verkörpert schon jetzt die reale Möglichkeit zu einer friedensstiftenden Zusammenarbeit. Das konkrete Wissen um die andere Welt, stellt eine wichtige Wegmarkierung dar. Sie zeigt auf den Ausweg aus dem Chaos stiftenden imperialen Desaster.

Gemeinsames Interesse an systemischer Veränderung

Es sind die Elenden und die seit je geknechteten, kolonial bedrängten Völker die nach einem Ausweg aus ihrer gegenwärtigen Misere suchen. Ihre Sehnsucht und ihr Wille nach etwas Besserem als dem Tod sind eine potentiell schöpferische Kraft gegen die lähmende Hoffnungslosigkeit und das Chaos. Der von den imperialen Zentren betriebene Aufkauf verelendeter Elemente und deren Anstiftung zum Terror kann und wird weder auf Dauer deren Machterhalt dienen, noch die Massen niederhalten können. Das Wissen aber um solche Machenschaften hilft deren niederträchtige Pläne zu durchkreuzen. Das gemeinsame Interesse an einer Veränderung der noch gewaltsam aufrechterhaltenen systemischen Ordnung und das Wissen um bereits vorhandene wertvolle Alternativansätze können allen Suchenden den Rücken stärken.

Das Rettende wächst

Während nämlich in diesem Jahrtausend die noch herrschende Wirtschaftsunordnung weltweit zu Barbarei, Dekadenz, Krieg und um sich greifender Niedertracht geführt hat, wachsen an anderen Stellen die heilsamen Kräfte bereits machtvoll hervor und erstarken täglich. Hölderlin hatte recht und Willy Brandt auch, der ihn vor Kongressabgeordneten 1983 in den USA zitierte: “Wo da Gefahr ist, wächst das Rettende auch”. Es ist allerdings wichtig, diese Rettungskräfte auch zu orten und sie bei ihren Namen zu nennen.

So ist das vermittelnde Eingreifen der Russen im Frühjahr vergangenen Jahres zur Beruhigung der Fronten in der Ukraine zu nennen. Das Abkommen von Minsk, das auch unsere Kanzlerin mit ausgehandelt und unterzeichnet hat, muss allerdings im Westen zur Kenntnis genommen, muss umgesetzt werden. Insbesondere ist auch das militärische, zielorientierte Eingreifen der Russen seit dem 30. September letzten Jahres auf Einladung der syrischen Regierung gegen den dort wütenden Terror ein friedensstiftender Akt, ein konstruktiver Schritt im Rahmen des gültigen Völkerrechts. Auch die im Westen zu unrecht negativ beurteilte Wiedereingliederung der Krim in den Russischen Staatsverbund ist völkerrechtlich ganz und gar nicht zu beanstanden und dient der regionalen, ja weltweiten Stabilisierung.
Das Zustandekommen des sogenannten Atom-Abkommens mit dem Iran, dem sich die USA lange verweigert haben, ist ebenfalls als Schritt in eine vernünftigere Zukunft positiv zu bewerten. Auch hierbei leisteten die Russen und auch die Chinesen wichtige, stützenden Hilfe.

Demgegenüber bleiben die Vereinigten Staaten weit weg vom Chaos, das sie angestiftet haben. Das Weiße Haus fordert von seinen europäischen ‘Partnern’ die Öffnung der Landesgrenzen, die Preisgabe von Souveränitätsrechten und fördert so den grenzüberschreitenden Terror weiter.
Aber Generäle aus den eigenen Reihen scheinen klüger als ihre Chefs. Sie vermittelten Geheimdienstinformationen an die bekämpfte Regierung Assad, um dem Terror entgegenzuwirken, den die US-Verantwortlichen gesät haben.

Die Politik des ‘Regime Change’ in der Sackgasse

In Syrien ist die von den Vereinigten Staaten eingeführte, unheilvolle und völkerrechtswidrige Politik des von außen verordneten Regimewechsels definitiv in eine Sackgasse geraten, aus der sie sich nicht mehr wird befreien können. Das Schicksal des Niedergangs der einst stolzen, auf demokratische Werte verweisende US-amerikanische Nation wurde von dem ersten schwarzen Präsidenten in der Landesgeschichte nicht abgewehrt. Solches von ihm zu erwarten wäre auch unrealistisch gewesen. Der scheidende Juraprofessor und noch Landeschef befindet sich fest im Zangengriff der die Nation beherrschenden Eliten. Er hat nicht einmal die Kraft sich voll und ganz hinter seinen um Ausgleich mit Russland bemühten Außenminister zu stellen. Seine mögliche weibliche Nachfolgerin im Amt Hillary Clinton wird das Land nur noch tiefer in Schuld verstricken und den Rutsch in den Abgrund beschleunigen. Die Politik der einst mächtigsten Nation der Erde wird nicht wie das Alternativgebilde BRICS von um Ausgleich und Völkerfrieden bemühten Politikern gelenkt, sondern von egoistischen, mächtigen Interessengruppen, die sich untereinander nicht mögen.
Diese Situation ist gefährlich und dem Weltfrieden nicht dienlich. Allerdings ist das ideologische Kapital der USA und des Westens verspielt. Sie haben keine Trümpfe mehr im Ärmel. Ihre blutige Hand wird vor der Weltöffentlichkeit immer deutlicher sichtbar, ebenso wie die unblutige Alternative.

Bedeutung einer wachsenden kritischen Öffentlichkeit

Während US-Amerika sich abmühen muss, die tonangebenden Medien der Welt weiter ihr Lied zu singen zu lassen, überzeugt der russische You Tube Kanal RT international zunehmend ein Millionenpublikum mit dem Motto „Mehr Fragen stellen”. Mit dem höchst professionellen Auftreten der Russen kann weder die Voice of America konkurrieren, noch lässt sich der Schwund des eigenen medialen Einflusses durch gegen den echten Alternativsender gerichtete Hasspropaganda aufhalten.
In der nahen Zukunft wird nun der Einfluss einer kritischen, unabhängigen Öffentlichkeit, die sich vom Imperium zu lösen versteht, immer notwendiger. Dazu gehört auch, das wir uns von scheinunabhängigen NGOs und gekauften Alternativmedien frei machen. Die wirklich unabhängigen Stimmen gibt es. Sie sind in unserer Hemisphäre noch klein und wenig bekannt. Man erkennt sie daran, dass sie die falsche Äquidistanz zwischen Freund und Feind, zwischen Opfer und Täter aufgegeben haben. Sie beten nicht mehr die falschen Töne der imperialen Stimmleiter nach. Es fehlen dort Hetzparolen von ‘Unrechtsregimen’ im konkurrierenden Lager. Von ‘Fassbomben’, ‘Giftgaseinsätzen’ und anderen Greueltaten arabischer Diktatoren ist dort nicht die Rede. Man unterscheidet dort nicht zwischen ‘moderaten und rabiaten Terroristen’, sondern man misst mit gleichem Maß. Tora, Bibel und Koran werden gleichermaßen als heilige Bücher geachtet, aber nicht als Dogmen glorifiziert.
Die jeweils andere Sichtweise wird mit Respekt abgehandelt, ohne dass man an der Möglichkeit der Wahrheitsfindung grundsätzlich zweifelt. Fakten gelten als Fakten und Aussagen für falsifizierbar.

Okö-Pazifismus und Gewaltfreiheit

Überzeugende Verfechter der Bewahrung der Erde, der Pacha Mama, finden wir vor allem bei den indigenen Völkern. Dort leben die meisten Anhänger einer radikalen Gewaltfreiheit.
Auch das unter ökologischen Aspekten oft heftig kritisierte China ist sich als an Ressourcen armes Land der Notwendigkeit eines schonenden Umgangs mit den Schätzen der Erde sehr bewusst. Es hat sich allerdings zur Priorität gesetzt sein zahlreiches Volk zunächst einmal zu ernähren und zu einem bescheidenen Wohlstand zu führen. Alles spricht dafür, dass dieses Ziel in allernächster Zukunft voll umfänglich erreicht sein wird. Das Land arbeitet nunmehr zielstrebig an einem ökologischen Umbau. Noch ist es auf die Nutzung des Energieträgers und Umweltverschmutzers Kohle angewiesen. Die Problematik der in China vor allem dadurch bedingten Luftverschmutzung ist der Leitung des großen Landes durchaus bewusst und wird planerisch angepackt. Der größte Umweltverschmutzer weltweit bleibt allerdings nach wie vor der Westen unter Führung der Vereinigten Staaten. Auch dürfen die Folgen einer jahrhundertelangen kolonialen Ausbeutung und die dadurch bedingte Umweltbelastung nicht vernachlässigt werden. Das in Anbetracht der Umzingelung Chinas vergleichsweise geringe Militärbudget muss dagegen positiv hervorgehoben werden.
Wer aber in Anbetracht unmittelbarer Aggression, in Anbetracht kololonialer Besatzung oder vor dem Hintergrund terroristischer Angriffe aus dem Hinterhalt die Opfer zur Gewaltfeiheit auffordert, macht sich mitschuldig an der Auslöschung menschlicher Existenzen.

Vorantreibende Seite der Widersprüche

Es gibt Widersprüche und Widersprüche. Manche Widersprüche haben einen vorantreibenden, potentiell befreienden Charakter, andere wiederum halten die Menschen vom befreienden Handeln ab. Auf alle Fälle hilft die Aufarbeitung der Geschichte von unten her. Die Perspektive der Angeprangerten, der Unterdrückten, der sich im Fadenkreuz Befindlichen einzunehmen, kann neue Horizonte aufreißen. Es hilft der befreite Blick jener, die sich der eigenen Lage bewusst geworden sind. Gängelung durch die Jahrzehnte währende, manchmal auch sanfte Gewaltherrschaft macht den Blick unscharf. Denken wir ab und zu um die Ecke. Misstrauen wir unseren gesteuerten Medien. Gehen wir vor allem den Widersprüchen auf den Grund.
Versuchen wir uns im Neuen Jahr umfassend neu auszurichten.
Mit Mut und neuer Schaffenskraft versetzen wir Berge.
Alles Gute für das Jahr 2016